Mitarbeiterin wegen zu viel Mitgefühl rausgeworfen?

Kassel/Marburg. Eine leitende Angestellte im Flüchtlingslager Marburg ist laut Medienberichten wegen zu viel Empathie gegenüber Flüchtligen entlassen worden.

Erstaufnahmeleiterin wegen zu viel Einfühlungsvermögen gegenüber Flüchtlingen entlassen - diese Meldung über den angeblichen Rauswurf der Leiterin der Flüchtlingsunterkunft in Marburg-Cappel sorgte dieser Tage für Schlagzeilen.

Nun stellt sich heraus: Es war nicht die Leiterin, sondern eine leitende Angestellte einer Firma, die das Regierungspräsidium (RP) Gießen dort mit Aufgaben betraut hat. Konkret handelt es sich um die Firma European Homecare, die in der Einrichtung die Sozialbetreuung in den Aufnahmeinrichtung übernimmt. Die eigentliche Campleitung habe das RP. Ina Velte, Sprecherin des RP widersprach Medienberichten, es handele sich um die Camp-Leiterin.

Dennoch wirft der Vorgang weiter Fragen auf: Denn wie unter anderem die Hessenschau berichtete, soll European Homecare die Angestellte, die in der Erstaufnahme Marburg-Cappel in leitender Funktion tätig war, wegen zu viel Empathie gegenüber den Flüchtlingen entlassen worden. Das soll ein Unternehmenssprecher gegenüber der Hessenschau gesagt haben. Es habe ihr an professioneller Distanz zur Aufgabe gefehlt, Empathie dürfe nicht zu weit geben, wird der Sprecher zitiert. Er wollte gegenüber unserer Zeitung die Aussagen nicht bestätigen.

Die Entscheidung von European Homecare werde das RP genau überprüfen und dann ein klärendes Gespräch mit allen Beteiligten suchen, sagte Velte vom RP Gießen. Die Entscheidung habe alle überrascht, sagt Rechtsanwalt Karl-Otto Beckmann, der als Ombudsmann für die Belange der Flüchtlinge von der Stadt Marburg eingesetzt wurde. Er sei mit den Flüchtlingen in Kontakt. Der in einigen Medien geäußerte Vorwurf, die Leiterin habe einzelne Glaubensgruppen bevorzugt, hält er für absolut unzutreffend: „Eine Bevorzugung gab es nicht.“

In Marburg-Cappel sind derzeit 450 Menschen untergebracht, die meisten kommen aus Syrien (143), Afghanistan (97) und dem Irak (54). Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in der Erstaufnahme beträgt ein bis drei Monate. European Homecare ist vor allem in Mittelhessen mit Aufgaben in Flüchtlingsheimen beauftragt. In Nordhessen sei das nicht der Fall, sagte Michael Conrad vom RP Kassel.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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