ZDF-Talk zur Essener Tafel

Mittelfinger-Zoff bei Maybrit Illner: So verteidigt sich die Grünen-Chefin

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Der Aufreger des Talk-Abends: Die neue Grünen-Chefin Annalena Baerbock hält JU-Chef Paul Ziemiak (CDU) den Mittelfinger unter die Nase.

Der Ausgabestopp der Essener Tafel sorgt bei „Maybrit Illner“ für Zündstoff. Nach einem eher selbstverständlichen Satz des CDU-Mannes Ziemiak lässt sich die neue Grünen-Chefin zu einer provokanten Geste hinreißen.

München - Die Essener Tafel vergibt seit über zwei Monaten keine neuen Berechtigungskarten mehr an Ausländer und bekam dafür prompt viel Kritik aus der Politik. Von „Rassismus“ war gar die Rede. Auch Kanzlerin Angela Merkel befand das „nicht gut“.

Maybrit Illner diskutierte das in ihrer ZDF-Sendung am Donnerstagabend. Titel des Talks: „Streit um die Tafeln – wenn die Hilfe nicht für alle reicht.“

Zu Gast hatte die Moderatorin dazu JU-Chef Paul Ziemiak (CDU), Leni Breymaier (SPD), die neue Grünen-Chefin Annalena Baerbock, rbb-Journalistin Friederike Sittler, den Caritas-Vorstand aus Essen, Rudi Löffelsend und Bernhard Matheis, den Oberbürgermeister von Pirmasens eingeladen.

Talk bei „Maybrit Illner“: „Vielleicht haben wir vorher zwei Jahre lang Deutsche ausgeschlossen“

Gleich zu Beginn klagten Mitarbeiter der Tafel in einem Einspieler an, von Ausländern während ihrer Arbeit an der Tafel den Mittelfinger gezeigt bekommen zu haben. Auch weitere Beleidigungen sollen vorgefallen sein. Der Tafel-Chef aus Essen, Jörg Sartor, erklärte darin: „Wir schließen jetzt seit zweieinhalb Monaten Ausländer aus. Aber vielleicht haben wir vorher zwei Jahre lang Deutsche ausgeschlossen, ohne es zu wissen!“

Die Grüne Baerbock legt los: Die Entscheidung in Essen sei „sehr falsch, andere Tafeln haben das auch anders gelöst“, meinte sie. Gleichzeitig erklärte sie aber ihr Verständnis für die Last der Helfer.

„Dass wir die Armen gegeneinander ausspielen, finde ich so ärgerlich“, sagte SPD-Frau Breymaier. Das sei der Kern des Problems, befindet sie.

Anders JU-Chef Ziemiak. Er nimmt die Essener Tafel in Schutz: „Unsäglich, wie die ehrenamtlichen Helfer dort beschimpft werden“, sagte er. „Als Politiker sollte man nicht kluge Ratschläge geben, sondern sagen: Wir stellen uns vor die Leute.“ Ein Fingerzeig in Richtung Kanzlerin? Zu einer weiteren Aussage in Bezug auf Merkel lässt er sich nicht hinreißen.

Ziemiak: „...dann hat er dort nichts zu suchen“ - Streit eskaliert fast

Allerdings schimpft die 32-jährige Nachwuchshoffnung der CDU: „Wenn einer sich nicht anstellen kann und den Mittelfinger zeigt, dann hat er dort nichts zu suchen.“

Mit Baerbocks emotionaler Reaktion hat der JU-Chef wohl nicht gerechnet: „Wenn Sie jetzt den Mittelfinger zeigen“, sagt sie und hält Ziemiak exakt diesen unter die Nase, „warum muss ich dann auch raus? Nur weil ich die gleiche Nationalität habe? Das ist doch unfair, oder?“

Was sie damit offenbar meinte? Warum nicht der Einzelne, der beleidigt, sondern gleich eine ganze Gruppe ausgeschlossen wurde.

Das Publikum klatscht. Ziemiak verteidigt sich: „Aber das habe ich doch gar nicht gesagt. Ist das jetzt Ihre Methode, mir eine Aussage in den Mund zu legen?“ Egal welche Nationalität die Gruppe habe, die die Mitarbeiter der Tafel beschimpfe, gehöre ausgeschlossen, erklärte er sich. Es dürfte der Aufreger des Abends gewesen sein.

Baerbock sagt „sorry“

Gegenüber Bild erklärte Baerbock sich nun: „Wer sich die Sendung anschaut, wird sehen: Ich habe beim Reden die geschilderte Situation bildlich unterstützt. Das galt niemandem persönlich. Aber klar, es ist eine Geste, die man so oder so lässt. Daher sorry.“

Ziemiak dürfte es ihr nicht allzu übel nehmen.

mke

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