Landesbischof Ralf Meister: Dimension der Neonazi-Gewalt ist erschreckend

Mobilmachen gegen Rechts

Kirche kann eine breite Basis für Protest gegen Rechtsextremismus schaffen: Hannovers Landesbischof Ralf Meister. Foto:  dpa

Hannover. Im Kampf gegen Rechtsextremismus hat Hannovers Landesbischof Ralf Meister zur Mobilisierung aller Kräfte der Gesellschaft aufgerufen. Anzeichen von Rechtsradikalismus und menschenverachtender Ideologie müssten klar benannt und zu einem gesellschaftlichen Thema gemacht werden, sagte Meister. Nötig sei ein Widerstand in neuer Form und Stärke. Der Kirche komme dabei eine bündelnde Rolle zu.

Empörung über Droh-Mails

„Wir sind durch die Situation der rechtsterroristischen Mordserie noch mal ganz neu an die Frage des Rechtsradikalismus und seiner Auswirkungen in unserer Gesellschaft gestoßen“, meinte Meister. „Wir haben gewusst, dass es Rechtsextremismus gibt und dass Rechtsextremismus gewalttätig ist. Wir haben gewusst durch das NPD-Verbotsverfahren, dass es Verbindungen gibt zwischen staatlichen Sicherheitsbehörden und rechtsradikalen Szenen. Aber dass es eine solche Dimension angenommen hat, erschreckt.“

„Es geht darum, dass man gesamtgesellschaftliche Bündnisse schmieden muss“, sagte der Bischof. Die Chance der Kirche sei, dass es ihr gelinge, für Protestmaßnahmen partei- und milieuübergreifend eine breite Basis zu schaffen. „Diese Stärke der Kirche, dass sie nicht nur auf sich schaut oder nur auf ihre Leute, das ist wichtig.“

Meister zeigte sich empört über das von einem Rechtsradikalen an Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) mit einer Droh-Mail geschickte Video, in dem eine als Bär kostümierte Person Dönerimbiss-Inhabern den Hitlergruß zeigt. In schäbigster Weise nähmen die Urheber Anklänge aus der rechtsradikalen Mordserie auf und bedrohten öffentlich Menschen in der Stadt.

„Was mich daran so erschreckt ist, dass es in einer so wachen Situation, in der wir jetzt gegenüber dem Rechtsradikalismus sind, ein für mich entsetzlich infames Selbstbewusstsein in dieser rechten Szene gibt“, sagte Meister. „Das zeigt noch mal, dass der Widerstand gegen diese Gruppen wahrscheinlich ganz andere Formen und Stärken annehmen muss, damit man das unterbinden kann.“ (lni)

Von Michael Evers

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