Zwei Jahre nach dem Putschversuch

Krimi in der Mongolei: Hat Geheimdienst versucht, Staatsfeind in die Türkei zu entführen?

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Erdogan geht gegen Gülen-Anhänger vor. Versuchte jetzt der türkische Geheimdienst einen Staatsfeind zu entführen? 

Zehntausende Gülen-Anhänger wurden seit dem Putsch-Versuch festgenommen. Hat nun der türkische Geheimdienst versucht, einen angeblichen Staatsfeind in die Türkei zu entführen? 

Istanbul - In der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator hat sich in der Nacht zum Samstag ein politischer Krimi abgespielt. Zeugen und Medien berichteten, der türkische Geheimdienst habe versucht, einen angeblichen Staatsfeind zu entführen, um ihn per Flugzeug in die Türkei zurückzuverfrachten. Nach türkischen Medienberichten soll der Mann ein hochrangiger Anhänger des Predigers Fethullah Gülen sein, den Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan für den Putschversuch von 2016 verantwortlich macht. Es handele sich um den Direktor mehrerer mit der Gülen-Bewegung verbundener türkischer Schulen, hieß es in einem Bericht der Zeitung „Sözcü“ vom Freitag.

Die Türkei hat seit dem Putschversuch Zehntausende mutmaßliche Gülen-Anhänger festnehmen lassen - immer wieder auch im Ausland. Berichte gab es unter anderem und zuletzt vergangene Woche aus der Ukraine, dem Kosovo, Aserbaidschan, Gabun, Pakistan und Afghanistan.

Die Geschichte habe mit der Entführung des Mannes vor seinem Haus in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator begonnen, sagte ein deutscher Staatsbürger und Freund des Mannes vor Ort der Deutschen Presse-Agentur. Passanten hätten mit dem Handy gefilmt, wie er von etwa fünf Männern auf der Straße überwältigt und in einen Kleinbus gezerrt worden sei. Sie seien sofort zur Polizei gegangen und hätten das Video gezeigt. Seine Frau habe ihn auf dem Film erkannt. Sofort sei die Fahndung ausgelöst worden sei.

Am 15. Juli gedenken viele türkische Einwohner dem zweitem Jahrestag des Putschversuchs in der Türkei.

Wie und wo die mongolische Polizei den Mann fand, blieb unklar. Am späten Abend wurde er von Freunden jedoch auf einer Polizeistation ausfindig gemacht und am frühen Samstagmorgen dann unverletzt nach Hause gebracht. „Er ist heilfroh und glücklich“, sagte der Freund, der ihn nach der Heimkehr getroffen hat. Er stehe nun unter Polizeischutz. Das türkische Flugzeug, das am Flughafen gewartet hatte, verließ die Mongolei am späten Abend ohne den Schuldirektor.

Ob all das mit Wissen der mongolischen Behörden geschah, ist unklar. Dem „Sözcü“-Bericht zufolge hat der türkische Geheimdienst den Mann in Zusammenarbeit mit dem mongolischen Geheimdienst festgenommen. Einem anderem Bericht zufolge wussten die mongolischen Behörden von nichts und hätten erst auf die große öffentliche Aufregung hin die Ausführung des Mannes verhindert. Sicher ist, dass ähnliche Vorfälle öfter demselben Muster folgten: Zuerst gab es einen Staatsbesuch oder anderen hohen diplomatischen Austausch, kurz darauf wurden türkische Staatsbürger abgeschoben oder vom Geheimdienst ausgeflogen.

Der deutsche Mongolei-Experte Julian Dierkes sagte der dpa am Samstag, der Sohn des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan sei laut einem Facebook-Eintrag der türkischen Botschaft in Ulan Bator im Juli zu Besuch gewesen. „In der Mongolei wird nun die große Frage sein: Wer wusste von der Sache oder hat womöglich mit den türkischen Sicherheitsdiensten kooperiert?“

Währenddessen wurde bekannt, dass Präsident Erdogan Deutschland besuchen möchte.*

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dpa

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