Göttinger Wissenschaftler nahmen Toten aus Ostfriesland unter die Lupe – Verlegung ins Landesamt für Denkmalpflege

Moorleiche „Bernie“ litt unter Krebs und Arthrose

Rekonstruiert: Schädelfragmente der Moorleiche auf einer Pressekonferenz. Foto: dpa

Emden / Göttingen. Neue Erkenntnisse über eine 1200 Jahre alte Moorleiche aus Ostfriesland: „Bernie“ hatte zu Lebzeiten etliche Krankheiten. Göttinger Wissenschaftler haben bei Untersuchungen deutliche Hinweise auf eine Krebserkrankung und auf Arthrose gefunden, erklärte Archäologe Jürgen Bär vom Ostfriesischen Landesmuseum Emden am Dienstag. Damit sei auch klar, dass „Bernie“ entgegen früherer Annahmen nicht eines gewaltsamen Todes gestorben sei.

Die schon früher bekannte Schädelverletzung geht nach Ansicht des Archäologen nicht auf einen Schlag zurück. Sie entstand vielmehr erst nach dem Tod des Mannes durch den Druck des Torfes auf dem Grab.

Am Mittwoch wird die Moorleiche von der Universitätsmedizin Göttingen zum Landesamt für Denkmalpflege nach Hannover verlegt. Dort sollen die morschen Knochen gepflegt werden und wieder ihre natürliche Farbe bekommen.

Experten wollen der 1907 entdeckten Leiche, auch „Ötzi von Ostfriesland“ genannt, auch neue Erkenntnisse über Herkunft, Aussehen und genaue Todesursache entlocken. Mit einer Computeranalyse soll zudem das Aussehen des Mannes aus dem 8. Jahrhundert rekonstruiert werden.

Isoliert begraben

Nach den Hinweisen auf Krebs und andere Krankheiten ergebe sich für die Forscher nun die Frage, woran der Mann gestorben sei und warum er isoliert im Moor begraben wurde.

Die Göttinger Forscher stellten unter anderem einen gut verheilten Rippenbruch fest. Hinzu kamen Linien am Schienbein, die bei Jugendlichen durch Mangelkrankheiten oder durch Entzündungen entstehen. Daneben gab es Spuren von Arthrose in Gelenken. Eine chronische Kiefer- und Nasennebenhöhlenentzündung sei typisch für die damaligen Umweltverhältnisse gewesen, weil die Häuser noch keinen Rauchabzug hatten.

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