Georgier erschossen

Auftragsmord mitten in Berlin? Bundesregierung weist russische Diplomaten aus - Moskau reagiert prompt

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Spurensicherung am Tatort in Berlin

Ein Mann erschießt am helllichten Tag einen anderen Mann - das Opfer kämpfte früher gegen Russland. Jetzt weist die Bundesregierung zwei russische Diplomaten aus.

  • In Berlin ist ein Georgier ermordet worden.
  • Es handelte sich mutmaßlich um einen Auftragsmord.
  • Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.

Update vom 4. Dezember: Jetzt geht es nach dem Mord an einem Georgier in Berlin Schlag auf Schlag: Die Bundesregierung weist zwei russische Diplomaten aus. Sie seien mit sofortiger Wirkung zu unerwünschten Personen erklärt worden, teilte das Auswärtige Amt mit. Der Generalbundesanwalt übernimmt die Ermittlungen zu dem mutmaßlichen Auftragsmord. Er verfolgt den Anfangsverdacht, dass staatliche Stellen in Russland oder der autonomen Republik Tschetschenien dahinterstecken.

Russland reagierte umgehend und kündigte ebenfalls Schritte an: Moskau sehe sich gezwungen, darauf zu reagieren, hieß es im russischen Außenministerium in Moskau der staatlichen Agentur Tass zufolge. Das Vorgehen Deutschlands sei unfreundlich und unbegründet.

Ermittler verdächtigen Putins Russland - und leiten Schritte ein

Update vom 3. Dezember 2019: Gut drei Monate nach dem Mord an einem Tschetschenen in Berlin will der Generalbundesanwalt die Ermittlungen an sich ziehen. Die Ermittler verdächtigten staatliche russische Organe als Auftraggeber, berichtete  Spiegel Online am Dienstag. Demnach gibt es einen Durchbruch bei den Ermittlungen: Der in Untersuchungshaft sitzende Verdächtige habe als mutmaßlicher Mörder eines russischen Geschäftsmanns 2013 identifiziert werden können.

Ein Sprecher der obersten Strafverfolgungsbehörde in Karlsruhe sagte dazu nur, dass das Verfahren bislang nicht übernommen wurde.

Der 40 Jahre alte Tschetschene mit georgischer Staatsangehörigkeit war am 23. August in einem kleinen Park in Berlin-Moabit von hinten erschossen worden. Wegen einer möglichen Verstrickung Russlands hatte es früh Forderungen nach einer Übernahme durch die Bundesanwaltschaft gegeben. Diese ist aber nur dann zuständig, wenn der Verdacht besteht, dass der Geheimdienst einer fremden Macht involviert ist.

Rätselhafter Mord in Berlin: Hinweise auf russische Beteiligung verdichten sich

Update vom 1. Oktober 2019: Im Fall des mutmaßlichen Auftragsmords an einem Georgier in Berlin gibt es neue Indizien, die auf eine Beteiligung Russlands hindeuten. Laut einem am Dienstag von der Wochenzeitung Die Zeit vorab veröffentlichten Bericht besuchten zwei russische Diplomaten den in Berlin-Moabit in Untersuchungshaft sitzenden mutmaßlichen Mörder Wadim Sokolow kurz nach der Tat im Gefängnis.

Die beiden Russen hätten sich mit Diplomatenpässen ausgewiesen und ausführlich mit Sokolow gesprochen. Das Gespräch habe auf Russisch und ohne Aufsicht stattgefunden. Es sei unklar, was die Diplomaten dem Tatverdächtigen gesagt hätten. Nach dem Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen sei diese Betreuung erlaubt, eine so schnelle und intensive Reaktion gelte jedoch als ungewöhnlich.

Die Zeit berichtete weiter, auch der Weg der Tatwaffe spreche für einen russischen Hintergrund. Die bei dem Mord benutzte Pistole der Marke Glock sei 1986 von Österreich nach Estland verkauft worden und damit in den Einflussbereich der damaligen Sowjetunion. Später sei der Lauf der Waffe ausgetauscht worden - womöglich um Spuren zu verwischen. Sokolow soll die Waffe auf dem Weg von Warschau nach Berlin von Unterstützern übergeben worden sein.

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Russischer Geheimdienst involviert? Mord an Georgier in Berlin wirft Fragen auf

Bereits Ende vergangener Woche hatten mehrere Politiker Konsequenzen gefordert. Die FDP beantragte, dass der Bundestags-Innenausschuss sich am 16. Oktober mit dem Fall beschäftigen solle. Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen sagte dem Spiegel: „Es erscheint unverständlich, weshalb der Fall noch nicht zu einer Sache für den Generalbundesanwalt gemacht wurde.“ Eine Sprecherin des Justizministeriums sagte hingegen, die Voraussetzungen dafür seien noch nicht erfüllt.

So soll sich in der Datenbank für nationale russische Ausweispapiere ein Sperrvermerk für den Namen, den der Verdächtige benutzte, finden. Solche Vermerke fanden sich nach der Enttarnung der mutmaßlichen Attentäter des russischen Ex-Agenten Sergej Skripal auch bei Personalien anderer russischer Geheimdienstmitarbeiter.

Sechs Tage, nachdem dem Verdächtigen für seine falsche Identität am 23. Juli 2019 eine Steuernummer zugeteilt worden war, beantragte er demnach ein Visum für den Schengen-Raum. Kurz zuvor hatte er unter diesem Namen auch erstmals einen russischen Reisepass erhalten. Bei Nachfragen an der Adresse in der Steuerakte war der angegebene Name unbekannt.

Der Kreml in Moskau bestreitet jede Verwicklung in die Ermordung des Georgiers im Kleinen Tiergarten im Berliner Stadtteil Moabit. Das Tatopfer soll im zweiten Tschetschenienkrieg gegen Russen gekämpft haben.

Erstmeldung: Fahrradfahrer soll Mann in Berlin erschossen haben - Einsatzkräfte vor Ort

Berlin - Laut der Berliner Polizei soll am Freitagmittag ein Radfahrer einen Mann erschossen haben. Das teilte sie auf Twitter mit. Zu der Tat soll es wohl gegen 12.00 Uhr im Stadtteil Moabit gekommen sein. Ein Sprecher der Behörde sagte, Zeugen hätten die Polizei alarmiert. Sie hätten berichtet, dass im Bereich des Kleinen Tiergartens geschossen worden sei. Laut Twitter-Mitteilung waren viele Einsatzkräfte am Ort. Die Staatsanwaltschaft wollte eine mögliche Festnahme weder bestätigen noch dementieren.

Verdacht auf Clan-Kriminalität

Die Polizei war mit vielen Einsatzkräften am Tatort an der Ecke Turmstraße/Stromstraße. Auch Oberstaatsanwalt Ralph Knispel, der auch im Bereich der Clan-Kriminalität ermittelt, wurde gesehen. Dies könnte darauf hindeuten, dass es sich um eine Tat aus dem Bereich der organisierten Kriminalität handelt. Die Polizei äußerte sich nicht mehr und verwies auf die Staatsanwaltschaft. Diese war zunächst nicht zu erreichen.

Die Leiche wurde in einem blauen Zelt abgeschirmt. Von außen war zu sehen, wie ein Ermittler in einem weißen Schutzanzug Spuren untersuchte.

Polizisten überprüften auch die nähere Umgebung nach Tathinweisen. Ein Polizeitaucher wurde in der Spree am nahe gelegenen Holsteinufer gesehen. Ob die Tatwaffe im Wasser vermutet wurde, war unklar.

Oberstaatsanwaltschaft Ralph Knispel sagte, das Opfer sei durch den Park gelaufen, als es getötet wurde. Laut Staatsanwaltschaft war die Identität des Toten unklar. Noch am Freitag sollte vor Ort eine erste Leichenschau erfolgen. Danach solle dann mit einer Obduktion die Todesursache zweifelsfrei festgestellt werden.

Nach „Bild“-Informationen soll das Opfer ein islamistischer Gefährder gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft war für Nachfragen am späten Nachmittag nicht mehr zu erreichen. Wie viele Schüsse abgefeuert wurden und wo der Mann getroffen wurde, wurde zunächst nicht mitgeteilt.

dpa/AFP/frs

In Offenbach ist eine Frau aus einem vorbeifahrenden Auto erschossen worden. Nun hat die Polizei den mutmaßlichen Täter festgenommen.

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