Mord im Oberharz nach 20 Jahren aufgeklärt

St. Andreasberg/Moringen. Fast 20 Jahre nach einem bislang ungeklärten Sexualmord im Oberharz haben Ermittler den mutmaßlichen Täter überführt. Ein 46-jähriger Patient des Maßregelvollzugszentrums in Moringen (Kreis Northeim) wird beschuldigt, die 23-jährige Anke Ristenbieter im Oktober 1992 getötet zu haben.

Das teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig mit.

Die 23-Jährige war damals von einem Spaziergang auf der Jordanshöhe bei St. Andreasberg (Kreis Goslar) nicht zurückgekehrt. Fünf Monate später fanden Kinder ihre teilweise skelettierte Leiche. Schon damals war der 46-Jährige, der seit 1988 wegen mehrerer Sexualdelikte im Landeskrankenhaus für psychisch kranke Straftäter (LKH) in Moringen untergebracht ist, in Verdacht geraten. Doch erst jetzt konnten ihm die Ermittler dank neuer DNA-Untersuchungsmethoden die Tat nachweisen.

Am selben Wochenende, an dem Anke Ristenbieter verschwand, verbrachte eine Gruppe von Patienten des LKH Moringen in Begleitung mehrerer Betreuer eine Wochenendfreizeit in der „Northeimer Hütte“. Diese liegt nur wenige hundert Meter von dem Schullandheim entfernt, in dem sich die DRK-Jugendgruppe aufhielt. Einer der LKH-Ausflügler war der heute 46-Jährige. Er geriet schnell in Verdacht, weil er sich für mehrere Stunden unerlaubt von seiner Gruppe abgesetzt hatte.

Damals sei er mehrfach als Tatverdächtiger vernommen worden, sagte Staatsanwaltschaftssprecher Ziehe. Er habe die Tat aber immer abgestritten. Da die Ermittler nur Indizien, aber keine konkreten Beweismittel gegen ihn hatten, mussten sie den Fall schließlich ungelöst zu den Akten legen.

Im Jahr 2010 nahm die Polizei die Ermittlungen wieder auf und sichtete erneut die damals sichergestellten Asservate. Außerdem trugen die Ermittler nochmals die Indizien gegen den LKH-Patienten zusammen. Dieser hatte in der Zwischenzeit nach und nach Lockerungen erhalten. Da er aber nach wie vor als gefährlich eingestuft wurde, war er noch nicht entlassen worden.

Entscheidende Spur

Im vergangenen Herbst stießen die Spezialisten des Landeskriminalamtes schließlich auf eine winzige, aber entscheidende Spur: An einem Wattetupfer aus dem Abstrich beim Opfer wurde ein Spermium gefunden. Zwar ließ sich daraus kein vollständiges DNA-Profil des Täters herstellen. Allerdings konnten genetischen Merkmale bestimmt werden, die ausschließlich auf männliche Familienmitglieder vererbt werden. Daraufhin wurde bei dem 46-Jährigen erneut ein Mundhöhlenabstrich entnommen. Die Analyse der Speichelprobe ergab, dass die Merkmale übereinstimmten.

Geständnis angekündigt

Das Amtsgericht Braunschweig erließ daraufhin einen Unterbringungsbeschluss. Der 46-Jährige ist seitdem auf einer besonders gesicherten Station untergebracht. Sein Verteidiger habe angekündigt, dass sein Mandant ein Geständnis ablegen werde, teilte Ziehe mit. Die Staatsanwaltschaft habe ein neues psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses soll Aufschluss über seine Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt und seine aktuelle Gefährlichkeit geben. Dabei geht es auch um die Frage, ob gegen den 46-Jährigen die Sicherungsverwahrung verhängt wird.

Von Heidi Niemann

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