Warum werdende Mütter Lateinamerika meiden sollten

Fragen und Antworten zum Zika-Virus: Mücke wird zur Gefahr

Verbreitung des Zika-Virus

Das Zika-Virus macht Schlagzeilen, auch in Deutschland wurden seit 2013 zehn Fälle der Infektion registriert, die alle auf Fernreisen zurückzuführen sind, Dänemark bestätigte den ersten Fall am Dienstag.

Mit ganz anderen Dimensionen der insbesondere für Schwangere gefährlichen Krankheit hat dagegen Lateinamerika zu kämpfen. Wir beantworten wichtige Fragen.

Das Zika-Virus wird durch Mückenstiche übertragen, gibt es weitere Übertragungswege von Mensch zu Mensch? 

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin nennt auch sexuellen Kontakten und Blutspenden, dies sei aber die Ausnahme.

Wie macht sich die Infektion bemerkbar? 

Die kleine Alice in Recife (Brasilien) ist an Mikrozephalie erkrankt, der Kopf ist ungewöhnlich klein mit Folgen für das Gehirn.

Bei den meisten Menschen gar nicht, andere erkranken an Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen. Problematisch ist das Virus für Schwangere, denn es steht im Verdacht, Missbildungen beim ungeborenen Kind zu verursachen. Die Kinder kommen mit einem kleinen Kopf und Fehlbildungen im Gehirn (Mikrozephalie) zur Welt. Laut Virologe ist der Zusammenhang mit dem Erreger aber nicht endgültig bewiesen.

Wo wird denn an Nachweisen gearbeitet? 

In Brasilien, das mit 4000 registrierten Fällen von Mikrozephalie am stärksten betroffen ist. Dort werden Frauen mit fehlgebildeten und gesunden Kindern auf Antikörper gegen Zika-Viren getestet. Einzelne Hinweise auf den Zusammenhang gibt es bereits. Schmidt-Chanasit: „Ich denke, in einigen Wochen werden wir den endgültigen Beweis haben.“

Gibt es solche Fehlbildungen auch in Deutschland? 

Ja, sagt der Experte. Die Ursache ließe sich aber nur bei einer Häufung von Fällen feststellen oder bei einer sogenannten Reiseanamnese, also einer Erhebung der Reisetätigkeit.

Ein möglicher Überträger ist die Asiatische Tigermücke, die auch in Südeuropa und auch in Süddeutschland vorkommt. Ist das gefährlich? 

Einsatz mit Anti-Moskitomitteln und Pestiziden: Auch dort bekämpfen Gesundheitsbehörden die Stechmücken

Laut Schmidt-Chanasit ist bislang keine in Europa oder Deutschland erworbene Zika-Infektion bekannt. Alle bekannten Infektionen sind auf Fernreisen zurückzuführen. Ein genaues Bild eingeschleppter Fälle fehlt, da sie nicht meldepflichtig sind. Es gibt laut Schmidt-Chanasit nur wenige Referenzzentren, die die Infektion diagnostizieren können: neben dem Hamburger Bernhard-Nocht-Institut noch das Pasteur-Institut in Paris und zwei weitere Einrichtungen in Großbritannien und den Niederlanden. Jetzt steige die Zahl der Fälle täglich, weil sich mehr Patienten untersuchen ließen und Mediziner genauer hinschauten, heißt es.

Gibt es schon Reisewarnungen?

Reisewarnungen machen nach Ansicht des Experten nur für die Länder Sinn, in denen viele Erkrankungen auftreten – wie in Brasilien und Französisch-Polynesien. Vereinzelte Fälle in Afrika oder Südostasien rechtfertigten Reisewarnungen nicht.

Was tut Brasilien gegen das Zika-Virus? 

!Die brasilianische Regierung will bis zu 220 000 Soldaten einsetzen, die am 13. Februar in betroffenen Gebieten von Haus zu Haus gehen, und bei der Bekämpfung der Stechmückenart Aedes aegypti helfen. Eine Ausweitung des Anti-Mücken--Programms soll auch Sportler und Besucher der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro schützen. Von Vorteil könnte sein, dass die Spiele im brasilianischen Winter stattfinden, damit könnte das Mückenrisiko sinken. Gleichwohl wurde an 56 000 Hotels, Bars und Restaurants im ganzen Land ein Maßnahmenkatalog verschickt. Brasiliens Frauen rät die Regierung nach Angaben des Bernhard-Nocht Instituts, bis 2018 nicht schwanger zu werden - erst dann werde der größte Teil der Bevölkerung gegen das Zika-Virus immun sein.

Wie sieht es mit Impfen aus? 

Einen Impfstoff oder Medikamente gegen das Virus gibt es nicht. (mit dpa)

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