Fragen und Antworten

Mütterrente: Nachschlag ohne Antrag

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Finden sich auf dem Rentenkonto wieder: Kinder werden für die Altersbezüge angerechnet. Nach dem Gesetzentwurf der großen Koalition sollen mehr als neun Millionen Mütter und Väter einen Nachschlag erhalten.

Ab Juli sollen Mütter oder Väter, deren Kinder vor 1992 auf die Welt kamen, mehr Rente bekommen. Jetzt sorgen falsche Antragsschreiben für Verwirrung bei Rentnern und für Ärger bei der Rentenversicherung: Denn sie hat die Papiere nicht herausgeschickt. Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Ist die Mütterrente bereits beschlossene Sache?

Fast. Das Kabinett hat den Gesetzentwurf zum Rentenpaket schon verabschiedet. Im Mai kommt er in den Bundestag. Müttern oder Vätern, deren Kinder vor 1992 auf die Welt kamen, sollen zwei Jahre Erziehungszeit angerechnet werden, bisher war es nur ein Jahr. Von dem Zuschlag profitieren 9,5 Millionen Rentner, hauptsächlich Frauen.

Muss die Mütterrente extra beantragt werden?

Nein. „Wer vor dem 1. Juli 2014 bereits Rente bezieht, muss den Zuschlag nicht beantragen“, sagt Dirk von der Heide, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Bund. Versicherte, die noch berufstätig sind, müssen einen Antrag bei der Rentenversicherung stellen, wenn ihre Kindererziehungszeiten dort bisher noch nicht gespeichert sind.

Viele Menschen haben Formbriefe zur Beantragung der Mütterrente bekommen. Was sollen sie tun?

Gar nichts. Denn „die Rentenversicherung hat keine Antragsformulare zur Mütterrente verschickt“, stellt von der Heide klar. Woher die Formbriefe kommen, auf denen „Deutsche Rentenversicherung Bund, 10704 Berlin“ steht, ist ungeklärt. Sie tragen den Betreff „Antrag auf eine erweiterte rentenrechtliche Bewertung von Kindererziehungszeiten“ und machen der Versicherung eine Menge Arbeit.

Wo sind diese Briefe aufgetaucht?

Sie verbreiten sich von Bundesland zu Bundesland. In Hessen kursieren sie offenbar noch nicht, in Niedersachsen gingen sie hingegen zu Tausenden ein, sagt Wolf-Dieter Burde, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover. In Berlin, Brandenburg, Bayern und Nordrhein-Westfalen tauchten die Schreiben ebenfalls auf.

Was macht die Versicherung mit den Briefen?

Jeder einzelne muss beantwortet werden - allein schon deshalb, weil in dem Schreiben von „Kindererziehungszeiten für jeweils drei Jahre“ die Rede ist - das Rentenpaket sieht aber nur zwei Jahre vor.

Wie viel Geld bringt die Mütterrente?

Wer am 1. Juli schon Rentner ist, bekommt in Westdeutschland pro Kind pauschal 28,14 Euro mehr im Monat, im Osten 25,74 Euro - jeweils brutto. Davon werden noch Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern abgezogen. Bei Versicherten, deren Rente erst später beginnt, fließen die erweiterten Erziehungszeiten in die individuelle Rentenberechnung ein.

Haben Mütter jetzt allein durch die Kindererziehungszeiten einen Rentenanspruch?

Eventuell ja. Einen Anspruch auf eine Altersrente haben Versicherte, wenn sie fünf Jahre mit Beitragszeiten vorweisen können. Eine Frau mit drei Kindern, die vor 1992 geboren wurden, erfüllt nun diese Voraussetzung. Das gleiche gilt für Frauen, die ein Baby vor und eins nach 1992 bekamen. Denn für das jüngere Kind werden ihr drei Jahre angerechnet.

Wird die Mütterrente mit Grundsicherung oder Hinterbliebenenrente verrechnet?

Wer Grundsicherung bezieht, geht bei der Mütterrente leer aus. Denn sie wird als Einkommen verrechnet. Bei Witwen oder Witwern wird Einkommen, das den gesetzlichen Freibetrag von derzeit 742,90 Euro in den alten und 679,54 Euro in den neuen Ländern übersteigt, zu 40 Prozent auf die Hinterbliebenenrente angerechnet. Das heißt: Liegt die eigene Rente mit dem Erziehungszuschlag über dieser Grenze, wird teilweise gegengerechnet.

Gibt es schon ab dem 1. Juli mehr Geld?

Wahrscheinlich wird es später, weil die Rentenkassen die Umstellung bis Juli nicht schaffen dürften. Das Geld ist dann aber für die Rentner nicht verloren, sondern wird nachgezahlt.

Von Barbara Will

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