Niedersachsens Umweltminister prüft Konsequenzen

Raubtier ohne Menschenscheu: Munster-Wolf droht Abschuss

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Ein Wolf blickt im Gehege des Lohberger Tierparks in die Kamera des Fotografen (Archivfoto vom 04.04.2004).

Hannover/Munster. Das Umweltministerium in Hannover trifft Vorbereitungen, einen verhaltensauffälligen Wolf aus dem Rudel des Truppenübungsplatzes Munster notfalls töten zu lassen.

„Ich lasse alles Notwendige für die Entnahme vorbereiten“, sagte Minister Stefan Wenzel (Grüne) gestern im Umweltausschuss des Landtags. Wölfe stehen EU-weit unter strengstem Schutz. Notfalls, wenn es um die Sicherheit von Menschen gehe, dürfen sie trotzdem getötet werden. Entnahme könne aber auch heißen, das Tier in ein Gehege zu bringen, so da Ministerium. Derzeit warte das Land noch auf die rechtliche Bewertung des Bundes.

Am Montag soll der Wolf aus dem Rudel in Munster ohne Scheu zu zeigen einer Spaziergängerin mit Kinderwagen und Hund in Breloh gefolgt sein, berichtete die Cellesche Zeitung. Ähnliche Begegnungen mit Radlern, Joggern oder Spaziergängern hatte es in der Vergangenheit mehrfach gegeben. Konsequenz der Landesregierung: Seit Juli 2015 wurden zwei Jungwölfe des Munster-Rudels mit Sendern ausgestattet, um ihre Wege verfolgen zu können.

Erkenntnis nach einem halben Jahr: Die Jungtiere erkunden die Umgebung, auch über die Grenzen des Truppenübungsplatzes hinaus. Das Gebiet, das sie dabei durchstreiften war 300 Quadratkilometer groß. Im Januar meldeten die Wolfsbeobachter dann: beide Sender ausgefallen.

Dass Wölfe geradewegs durch Dörfer wandern, gilt nach Angaben des Umweltministeriums in Hannover noch nicht als auffällig: „Wölfe gehen meist den kürzesten Weg.“

Wenn die Raubtiere ganz ohne Scheu sich Menschen nähern, sieht das schon anders aus. Der Biologe Sebastian Körner vermutet allerdings, dass gerade den Munster-Wölfen die Scheu abtrainiert wurde - durch gezieltes Anfüttern von Soldaten, die sich irgendwo beim Manöver im Grünen vielleicht langweilten. So kann man Raubtiere an Menschen gewöhnen, sagt Körner: „Der Mangel an Scheu der Welpen 2012 und 2013 hat sich offensichtlich im Verlaufe ihrer Entwicklung zu Altwölfen wieder gelegt.“

In der vergangenen Woche nahmen Infrarot-Kameras nach einem Bericht der Hannoverschen Allgemeine Zeitung den Wolf, der sich nicht an Menschen stört, an einem Zaun der Flüchtlingsunterkunft in Bad Fallingbostel auf. Das Tier habe sich in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag dort zum Schlafen hingelegt, sagte der Kasernenkommandant der HAZ. „Das ist nicht normal“, hatte Umweltstaatssekretärin Almut Kottwitz der HAZ gesagt. „Das ist das erste Mal in Deutschland, das so etwas passiert“, wurde die Grünen-Politikerin zitiert.

(mit dpa)

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