Scharfe Kritik von Autoclubs und Umweltorganisationen

Neue Umwelt-Tabelle für Autos: "Murks statt Klimaschutz"

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Farbige Balken als Kaufhilfe: Sie zieren das CO2-Label für Pkw. Trotz höheren Verbrauchs wird ein Audi Q7 (oben) besser eingruppiert als ein VW Golf (Mitte) und der Toyota Aygo (unten).

Kassel. Verbraucher kennen die bunten Balken vom Kühlschrankkauf. Von Rot bis Grün, von G bis A sortieren Plaketten die Geräte: hier Stromfresser, dort Sparvorbild. Seit Donnerstag müssen solche Labels auch an neuen Pkw kleben. Doch die Umsetzung ist höchst umstritten.

Gut sichtbare Angaben zu Spritverbrauch und CO2-Ausstoß sind schon seit 2004 Pflicht - nun soll es noch etwas übersichtlicher werden. Aber nur scheinbar, warnen Kritiker. Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) sagt: „Schwere Autos werden eindeutig bevorzugt. So ist es für viele SUVs, Großraum-Vans oder Mittelklasse-Pkw einfach, ein grünes A oder B zu bekommen. Kleinwagen sind selten besser als C, obwohl sie deutlich weniger Kraftstoff verbrauchen und CO2 ausstoßen.“

uch der ADAC mäkelt: „Die Kennzeichnung verwirrt die Verbraucher, die sparsame Autos kaufen wollen. Der eigentliche Sinn des Labels, über die Energieeffizienz eines Fahrzeugs zu informieren, wird so ausgehebelt“. Und Jens Hilgenberg vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt sogar davor, „auf dieses unsinnige Öko-Label hereinzufallen“.

Lesen Sie mehr im Internet:

- Wissenswertes zum neuen Pkw-Label vom VCD

- Wissenswertes vom Bund für Umwelt und Naturschutz als PDF

- Themenseite der Deutschen Energieagentur (DENA)

- Hintergrund vom Verband der Automobilindustrie

Erklären lässt sich der Ärger so: Im Hintergrund, sagen die Kritiker, habe der deutsche Auto-Herstellerverband VDA mit dafür gesorgt, dass es für Grün, Gelb oder Rot zwei Messlatten gibt: den CO2-Ausstoß, der vom Spritverbrauch abhängig ist, und außerdem das Autogewicht. Besonders schwere und hoch motorisierte Autos treten in diesem Vergleich also nicht gegen Kleinwagen mit Spatzendurst an - sonst kämen sie nie in den grünen Bereich. Stattdessen wird nur innerhalb getrennter Gewichtsklassen verglichen: Kleinwagen mit Kleinwagen, Kombis mit Kombis, SUVs mit SUVs. Kommentar des Naturschutzbundes Nabu: „Mehr Murks statt Klimaschutz“ - eine aktuelle Untersuchung der EU zeige, „dass die Zunahme des Fahrzeuggewichts eine Hauptursache für die noch schleppende Reduzierung der CO2-Emissionen von Neufahrzeugen ist“. Vorwurf des BUND: „Statt den Kauf wirklich spritsparender Modelle zu fördern, dürfen künftig Geländewagen-Fahrer auch noch mit gutem Öko-Gewissen unterwegs sein.“

Dass große Familienkutschen mehr schlucken als Pkw-Minis, erkennen Kritiker an. Vergleichsklassen nach Gewicht zu bilden, helfe aber hauptsächlich SUVs ein grünes Mäntelchen umzuhängen. Rot, Gelb oder Grün - das solle sich grundsätzlich nach dem absoluten Verbrauch richten, fordert der BUND. Unterschiede könne man ja trotzdem machen: „Fahrzeuge, die durch mehr Sitzplätze oder einen größeren Kofferraum einen höheren Nutzwert haben, könnten zusätzlich einen Emissions-Bonus bekommen.“ 

Mehr in der Freitagsausgabe: Wie bekommen dicke Geländewagen ein grünes Mäntelchen? Was sagt der Autoherstellerverband zu der massiven Kritik? Sowie weitere Hintergründe.

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