Angst in die "Mubarak-Ära zurückfallen"

Muslimbrüder haben Mobilisierungsprobleme

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Auch wenn es auf dem Bild anders aussieht: Die Muslimbrüder können seit der Inhaftierung ihrer Führungsriege die Massen nur schlecht mobilisieren. 

Kairo - Die Muslimbrüder haben angesichts der Inhaftierung ihrer Führungsriege massive Mobilisierungsprobleme: An dem von ihnen ausgerufenen "Freitag der Märtyrer" protestierten nur noch wenige tausend Menschen.

An dem von ihnen ausgerufenen "Freitag der Märtyrer" protestierten nur noch wenige tausend Menschen in Kairo gegen die Absetzung des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi. Vielerorts trauten sich die Mursi-Anhänger nicht aus ihren Häusern, wie AFP-Reporter berichteten. Außerdem brachen offenbar die Kommunikationsstrukturen der Bruderschaft zusammen.

Mursis Unterstützer hatten zu friedlichen Protestmärschen an insgesamt 28 Orten nach dem Freitagsgebet allein in Kairo aufgerufen. An mindestens drei Orten fanden sich bis zum Nachmittag mehrere tausend Demonstranten ein. "Putsch! Putsch!", riefen sie und "Nieder mit der Militärherrschaft!". Einer der Protestierenden schwor, "niemals den Glauben an unsere Sache" zu verlieren. "Wir werden bis zum letzten Blutstropfen kämpfen", sagte Tarek Hossam.

Demonstrationen für Mursi, der seit seiner Absetzung am 3. Juli durch das Militär an einem geheimen Ort festgehalten wird, fanden unter anderem in den Bezirken Maadi und Mohandesseen statt. Dort beschimpften sie die Vertreter des Innenministeriums als "Gangster". Nahe einem Platz in dem Bezirk versperrten Soldaten dem Protestzug aber den Weg, wie ein AFP-Korrespondent beobachtete.

Nahezu die gesamte Führungsriege der Muslimbrüder befindet sich inzwischen in Haft. Im Machtkampf mit den Islamisten nahmen die ägyptischen Sicherheitskräfte in der Nacht zum Dienstag in Kairo auch den geistlichen Führer der Muslimbrüder, Mohammed Badie, fest. Zuletzt wurde auch noch Ahmed Aref, einer der letzten Sprecher der Bewegung, festgenommen. Am Sonntag beginnt gegen führende Muslimbrüder ein Prozess wegen "Anstiftung zum Mord" an Gegnern von Mursi.

Ägypten am Abgrund - Chronologie der Zeit nach Mursi

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"Wir erhalten keine Weisungen mehr", sagte ein Mitglied der Muslimbrüder aus dem Nil-Delta am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. "Wir wissen nicht mehr, was wir tun sollen, die meisten führenden Köpfe sind inhaftiert." Die Muslimbrüder wüssten außerdem, dass ihre Telefone abgehört würden. "Also benutzen wir sie nicht mehr."

Am Mittwoch vergangener Woche waren in Kairo zwei Protestlager der Muslimbrüder gewaltsam geräumt worden. Damit war die ohnehin explosive Lage in Ägypten seit Mursis Sturz Anfang Juli eskaliert. An dem Tag sowie bei Protesten in den folgenden Tagen waren mehr als 900 Menschen getötet worden. Mursis Anhänger lieferten sich blutige Auseinandersetzungen mit dem gegnerischen Lager sowie mit Sicherheitskräften.

Neuen Zündstoff lieferte am Donnerstag die Freilassung des früheren Staatschefs Husni Mubarak aus dem Gefängnis. Mubarak wurde in einer Militärklinik unter Hausarrest gestellt. Maher, Chef einer Gruppierung der Muslimbrüder im südlichen Kairo, sagte dazu, er habe "Angst, dass wir wieder in die Mubarak-Ära zurückfallen".

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte am Freitag in Berlin, die Haltung von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sei es, "dass es grundsätzlich in Ägypten kein Zurück in die Vergangenheit und kein Zurück in die Zeit vor der Revolution geben darf".

AFP

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