Stattdessen Bestattungen in weißen Tüchern

Muslime für Abschaffung der Sargpflicht in Deutschland

Wiesbaden. Die in Hessen lebenden Muslime haben für die Abschaffung der Sargpflicht bei Beerdigungen geworben. „Heimat ist da, wo man leben und auch sterben darf“, sagte Hamza Wördemann vom Zentralrat der Muslime Deutschland bei einer Anhörung im Wiesbadener Landtag am Donnerstag.

Er befürwortete damit eine entsprechende SPD-Initiative.

Bestattungen in weißen Tüchern, wie es im Islam üblich sei, werde die Identifikation der Einwanderer mit Deutschland verstärken. Die junge Generation wolle sich im Todesfall nicht mehr in ihre Herkunftsländer überführen lassen.

Derzeit werden rund 90 Prozent der Muslime in der alten Heimat beerdigt. Die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen (IRH) forderte Rechtssicherheit für die muslimische Tradition im Bundesland: In vielen europäischen Ländern und auch in anderen Bundesländern sei eine Bestattung ohne Sarg inzwischen selbstverständlich, sagte IRH- Vorsitzender Ramazan Kuruyüz. „Muslime und der Islam gehören zu Hessen.“

Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchen sagten, dass theologisch nichts gegen die Abschaffung der Sargpflicht spreche. Allerdings seien nach der jetzigen Rechtslage auch Ausnahmen möglich. Eindeutige Ablehnung kam von den Spitzenverbänden der Kommunen, die bei sarglosen Beerdigungen mehr Verwaltungsaufwand befürchten.

Die Regierungsfraktionen CDU und FDP haben bereits ihre Ablehnung des SPD-Gesetzentwurfs angekündigt. (dpa)

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