"Muslime müssen etwas tun"

Interview mit Kölner Dompropst: Sind keine Kulisse für Pegida

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Köln. Heute gibt es wieder Pegida-Demos in vielen Städten - auch in Köln. Kögida plant wöchentliche Demos. Dompropst Norbert Feldhoff über Strategien gegen die Pegida-Parolen.

Herr Feldhoff, Pegida ist gegen die „Islamisierung des Abendlandes“. Warum halten Sie den Begriff des christlich-jüdischen Abendlandes für irreführend? 

Norbert Feldhoff: Ich gebrauche den Begriff persönlich kaum. Ich spreche eher von den Grundwerten, die auf christliche und jüdische Elemente zurückgehen. Diese müssen verteidigt werden. Dazu gehört für mich die Freiheit der Religionsausübung. Sie gilt für alle Religionsgemeinschaften und ist kein Christenprivileg.

Was bedeutet Pegida für Sie? 

Feldhoff: Pegida ist eine schwierige und gefährliche Mischung. Der Kern der maßgeblichen Leute kommt aus dem ganz rechten Spektrum. In einer Mail, die ich bekommen habe, ging das bis zur Verherrlichung Hitlers. Pegida ist gefährlich. Die extreme Bewegung ist noch in der Entstehung.

Wer sind die Anhänger von Pegida? 

Feldhoff: Viele Anhänger kommen aus der Mitte des Bürgertums, sind Ärzte oder Anwälte. Auch engagierte Katholiken sind Mitglieder.

Warum schließen Menschen sich dieser Bewegung überhaupt an? 

Feldhoff: Viele Menschen fühlen sich von Politik und Kirche verlassen und haben negative Erfahrungen mit Muslimen gemacht. Gerade nach dem Anschlag in Frankreich haben diese Menschen Angst. Gegen solch eine tief sitzende Angst, kann man fast nichts unternehmen. Ich halte das für übertrieben.

Diese Pegida-Anhänger unterstützen etwas, was sie eigentlich nicht wollen. Die Thesen des Vereins sind durchaus annehmbar, aber die deutsche Geschichte hat uns gelehrt, dass sich hinter einer nach außen verständnisvollen Fassade etwas anderes bewegt, das man im Auge behalten sollte.

Was kann man Ihrer Meinung nach gegen diese tief sitzende Angst machen? 

Feldhoff: In der Breite der muslimischen Gesellschaft muss etwas passieren. Muslime müssen etwas tun. Sie müssen deutlich machen, dass Extremismus nicht die konsequente Folge des Korans ist, sondern dass es eine Missdeutung des Islams ist. Der aufgeklärte Muslim in Deutschland muss klarstellen, dass er für Demokratie und Freiheit steht und dass Extremismus zu verwerfen ist.

Sie haben vor der Demonstration von Kögida das Licht des Kölner Doms abgeschaltet. Warum? 

Feldhoff: Das war eine harmlose Angelegenheit, ich hatte nicht mit dieser Reaktion und den Kirchenaustritten gerechnet. Wir wollten den Demonstranten keine schöne, beleuchtete Kulisse bieten.

Schalten Sie jetzt jede Woche bei Demonstrationen das Licht aus? 

Feldhoff: In Köln möchte die Kögida mittwochs um den Dom herum demonstrieren. Wir werden in der Domkapitelsitzung noch entscheiden, ob wir das Licht ausschalten oder nicht und das am Mittwochmorgen bekannt geben.

Nach dem Attentat auf das Satiremagazin Charlie Hebdo in Frankreich ruft Pegida zu Protestmärschen zur Solidarität mit Trauerflor auf. Was halten Sie davon? 

Feldhoff: Das ist aus meiner Sicht eine raffinierte Methode von Pegida, diese grausame Geschichte in Frankreich zu instrumentalisieren, um damit möglicherweise mehr Menschen zu finden, die mitgehen. Es ist schwer, darauf differenziert zu reagieren.

Zur Person

Norbert Feldhoff (75) ist gebürtiger Düsseldorfer und wohnt seit 40 Jahren in Köln. Nach seinem Studium der Theologie in Bonn und Freiburg erhielt er im Jahr 1965 die Priesterweihe. 1975 wurde er Generalvikar des Erzbischofs von Köln (Leiter der Gesamtverwaltung des Bistums). Seit 2004 ist er Dompropst des Kölner Doms. Im Februar ist er 50 Jahre Priester, im März geht er in den Ruhestand. Er genießt es nach eigener Aussage, nach der Zeit in Spitzenpositionen mit Einzug in den Ruhestand diese Verantwortung abgeben zu können. (lin)

Von Leona Nieswandt

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