Kommentar zum Aktionstag der Muslime gegen Hass: "Ein überfälliger Schritt"

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Stefan Vetter

Im Namen des Islam kommt es in Syrien und im Nordirak seit Monaten zu schaurigen Gewaltexzessen. Nun haben die großen islamischen Organisationen in Deutschland für Freitag zu einem Aktionstag der Muslime in Deutschland gegen Hass und Gewalt aufgerufen. Ein Kommentar von Stefan Vetter.

Die vier großen islamischen Organisationen haben zu Recht kritisiert, dass die Aktivitäten der Terrororganisation „Islamischer Staat“ reichlich spät in Deutschland verboten wurden. Allerdings müssen sich die Verbände nun auch die Frage gefallen lassen, warum ihr Aktionsaufruf „gegen Hass und Unrecht“ nicht schon früher erfolgt ist.

Schließlich sorgt der IS im Irak bereits seit Monaten mit brutaler Gewalt für Angst und Schrecken. Im Namen Allahs. Solche Kräfte missbrauchen den Islam für ihre fanatische Zwecke. Sie nehmen eine ganze Religion in Geiselhaft, um damit ihre menschenverachtenden Ziele zu bemänteln. Kräfte wie der IS oder Boko Haram rücken alle friedliebenden Muslime ins Zwielicht, obwohl sie die übergroße Mehrheit auch in Deutschland bilden.

Eine laute und deutliche Distanzierung der islamischen Organisationen hätte man sich deshalb von Anfang an gewünscht.

Trotzdem: Besser spät als nie. Das Problem der islamischen Verbände in Deutschland ist freilich, dass sie anders als die katholische oder evangelische Kirche über keine zentralen Strukturen verfügen. Dies war auch jetzt bei der Vorstellung des Aktionsaufrufs zu spüren.

Während die einen den Kampf gegen Hass und Gewalt ausdrücklich auf all ihre Erscheinungsformen bezogen, wollen die anderen den Protest in erster Linie gegen die zahlreichen gewaltsamen Übergriffe auf Moscheen in Deutschland verstanden wissen. Dass es sich hier um Verbrechen handelt, die mit allen strafrechtlichen Möglichkeiten verfolgt gehören, steht ebenfalls außer Frage.

Doch eine selektive Wahrnehmung hilft nicht wirklich weiter. Das gilt übrigens auch für den Hinweis der Verbände, dass sich junge Dschihadisten meist in Einrichtungen außerhalb ihrer Zuständigkeit radikalisierten. Aber wer, wenn nicht sie hätten noch am ehesten einen Zugang zu diesen Jugendlichen?

Unseren Autor erreichen Sie per E-Mail an: nachrichten@hna.de

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