Prozessbeginn in Düsseldorf

Mutmaßlicher Wehrhahn-Bomber bestreitet die Tat

+
Der Angeklagte verbirgt im Landgericht in Düsseldorf sein Gesicht. Foto: Federico Gambarini

Ein Ex-Soldat steht in Düsseldorf als mutmaßlicher Bomben-Attentäter vor Gericht. Ihm wird zwölffacher versuchter Mord aus Fremdenhass vorgeworfen - doch der Angeklagte gibt sich unwissend.

Düsseldorf (dpa) - Mehr als 17 Jahre nach dem Bombenanschlag am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn hat der Angeklagte die Tat zum Prozessbeginn vehement bestritten.

Er habe sie nicht begangen und wisse auch nicht, wer es gewesen sei, sagte der 51-Jährige am Düsseldorfer Landgericht. Bei der Explosion waren zehn Menschen verletzt worden, einige von ihnen lebensgefährlich. Ein ungeborenes Baby starb im Mutterleib.

Der Ex-Soldat steht wegen zwölffachen Mordversuchs vor Gericht. Ihm droht lebenslange Haft. Er soll die Tat aus Fremdenhass begangen haben. Die Anklageschrift ist 270 Seiten lang, das Landgericht hat bis Juli knapp 40 Verhandlungstage für den Indizien-Prozess angesetzt.

Am 27. Juli 2000 war am S-Bahnhof Wehrhahn eine ferngezündete Rohrbombe explodiert. Die überwiegend jüdischen Opfer, Zuwanderer aus Osteuropa, kamen vom Deutschunterricht an einer Sprachschule. Wären die 250 Gramm TNT nicht verunreinigt gewesen, hätte es Tote gegeben, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Herrenbrück.

Der Angeklagte berichtete dagegen, er sei am Tattag in einem Tätowierstudio gewesen, mit seinem Rottweiler spazieren gegangen und zur Tatzeit wieder zu Hause gewesen. Gleich nach dem Anschlag habe ihn ein Polizist gewarnt: "Da rufen jede Menge Leute an und beschuldigen dich."

Der Mann, der nach eigener Aussage als Security-Mitarbeiter und Detektiv tätig war, war bereits direkt nach der Tat unter Verdacht geraten. Er hatte in der Nähe nebenbei einen Militaria-Laden betrieben. Vor vier Jahren soll er die Tat dann gegenüber einem Mitgefangenen gestanden haben, er habe "an einem Bahnhof Kanaken weggesprengt", als er in anderer Sache im Gefängnis saß. Auch dies bestreitet der Mann allerdings.

Wichtigtuer und Drogen konsumierende V-Leute hätten ihn auf die Anklagebank gebracht, behauptete der Mann. Verteidiger Olaf Heuvens räumte ein, sein Mandant habe auch selbst "zu viel geredet und sich wichtigmachen wollen".

Aus Sicht von Oberstaatsanwalt Herrenbrück ergeben die zahlreichen Indizien insgesamt eine erdrückende Beweislast. In der Wohnung des Angeklagten waren beispielsweise eine Anleitung für den Bau eines Zünders und der Splint einer Handgranate entdeckt worden.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.