Auch Audi-Modelle betroffen

Nach dem Abgas-Skandal: Die Plakette bleibt grün, VW muss zahlen

Der Diesel-Skandal bei VW weitet sich aus. Der Konzern selbst räumte ein, dass bei weltweit elf Millionen Diesel-Autos eine Steuerungssoftware die Messung von Stickstoffdioxid (NO2) manipuliert – auch in Deutschland. Was heißt das für betroffene Autofahrer? Was muss er nun tun? Der TÜV gibt Antworten.

Woran erkennt der Halter einen Diesel mit manipulierter Steuerungssoftware?  

Bekannt ist nur, dass es um zwischen 2008 und 2015 hergestellte Zweiliter-Vierzylinder-Dieselmotoren mit Direkteinspritzung und Turboaufladung geht, die die Abgasnorm Euro 5 erfüllen. Firmenintern heißt der Motor „EA 189“. Er wurde in den VW-Modellen Jetta, Golf, Beetle, Tiguan und Passat verbaut, zudem in den Audi-Modellen A1, A3, A4 und A6. Die Abgasnorm 5 ist im Fahrzeugschein vermerkt. Vincenzo Lucà, Pressesprecher des TÜV Süd, nennt es unmöglich, dass Laien den eingebauten Motortyp erkennen. Auf der Maschine sei eine Nummer vermerkt, über die man die jeweiligen Modelle erkennen könne. Dafür sei aber ein Besuch in einer Werkstatt notwendig. Laut VW wird unter Hochdruck eine Liste der von der Abgas-Affäre betroffenen Modelle erstellt. 

Was müssen Besitzer tun, wenn ihr Auto betroffen ist?

„Wenn das Fahrzeug zugelassen ist, darf man auch fahren“, sagt Lucà. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) habe zwar angekündigt, die verdächtigen Autos nachuntersuchen zu lassen. Nach geltendem Recht sei aber momentan alles in Ordnung. Wenn es zum Rückruf kommen sollte, sei VW verpflichtet, sich zu melden. Als Halter selbst müsse man sich erst einmal um nichts kümmern.

Wer muss für die Nachbesserung zahlen?

Als Halter sei man für sein Auto verantwortlich und haftbar, sagt Vincenzo Lucà. Das gelte aber nicht, wenn man beim Kauf getäuscht wurde. Beim aktuellen Fall sei Täuschung wahrscheinlich.

Gibt es Probleme bei der Abgasuntersuchung?  

„In der Abgasuntersuchung werden Stickoxide nicht gemessen“, sagt Lucà. Das sei technisch nicht möglich. Zur Stickoxidmessung benötige man einen Rollenprüfstand, auf dem das Fahrzeug einer Last ausgesetzt ist, oder ein mobiles Messgerät. Lucà: „Um Stickoxide zu messen, muss das Auto fahren.“

Warum werden die Werte nicht gemessen? Und: muss der TÜV jetzt nachbessern?

Aus eigenem Antrieb werde der TÜV nicht nachbessern, sagt Lucà. „Das, was geprüft wird, richtet sich nach Erlassen des Kraftfahrbundesamtes oder der EU-Kommission. Es gibt Richtwerte für Stickoxide, an die sich die Hersteller halten müssen. Da der TÜV den Auftrag nicht hat, misst er diese auch nicht.“ Die Messsysteme seien zudem komplexer und teurer.

Bekommt man eine schlechtere Umweltplakette, wenn herauskommt, dass das eigene Auto betroffen ist?

„Bei der Plakette geht es um Feinstaub, genauer: um Rußpartikel. Stickoxid-Werte spielen da nicht mit rein. Wenn man eine grüne Plakette hatte, bleibt die auch grün“, sagt der TÜV-Sprecher.

Welche Auswirkung hat der Skandal auf die Steuer?

Wenn das Fahrzeug in eine Steuerklasse eingestuft wurde, bleibt das so. Es sei denn, die allgemeine Besteuerung von Autos werde geändert, sagt Vincenzo Lucà.

Ist ein VW-Diesel durch den Skandal weniger wert?

Nein, sagt Lucà, auch bei vergleichbaren Autorückrufen sei kein Wertverlust entstanden. Laut einem Sprecher des Online-Verkauf-Portals „MeinAuto.de“ sank die Nachfrage nach VW-Autos mit Dieselmotoren aber um 30 Prozent. Die Folge für Kunden: Der Wiederverkaufswert sinkt rapide.

Auch andere Marken betroffen

Von den manipulierten Abgaswerten bei VW sind neben Audi weitere Hersteller betroffen. Innerhalb des Konzerns teilen sich die Unternehmen Bauteile, darunter auch Motoren und Getriebe. Ein Sprecher der VW-Tochter Skoda bestätigte gestern, Modelle der Reihen Fabia, Roomster, Octavia und Superb aus den Jahren 2009 bis 2013 seien teilweise mit den Motoren ausgerüstet worden. Auch Seat bestätigte am Donnerstag, dass bei der spanischen VW-Tochter Motoren mit der manipulierten Diesel-Technologie montiert worden seien. Die genaue Zahl sei nicht bekannt. Am Donnerstagmorgen hatte die Zeitschrift Auto Bild einen Bericht veröffentlicht, in dem es hieß, auch ein BMW-Modell produziere zu hohe Stickoxid-Werte. BMW wies die Anschuldigungen der Fachzeitschrift zurück. (mhb/dpa)

Lesen Sie dazu auch:

Kommentar zum Winterkorn-Rücktritt: Ende der Patriarchen

Rücktritt: Winterkorn sieht bei sich kein Fehlverhalten

Interview zum Abgas-Skandal bei VW: Einzelfall oder folgen andere Hersteller?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.