Blutige Proteste in Frankfurt: Polizist erleidet schwere Augenschäden

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Frankfurt. Der am Samstag bei Krawallen in der Frankfurter Innenstadt verletzte Polizist hat schwere Augenschäden durch eine Chemikalie erlitten, ist aber außer Lebensgefahr.

„Sein Zustand ist stabil“, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Bei den heftigsten Ausschreitungen, die Frankfurt seit Jahren erlebte, waren am Samstag etwa 15 Polizisten verletzt worden. Wie viele Demonstranten zu Schaden kamen, konnte die Polizei nicht sagen. Ein Passant wurde durch einen Steinwurf verletzt. Zahlreiche Schaufensterscheiben gingen zu Bruch. Etwa ein Dutzend Personen habe den Polizisten attackiert, der als Verbindungsbeamter Kontakt zu den Veranstaltern der Demonstration von Kapitalismus-Gegnern halten sollte, sagte der Polizeisprecher.

„Hey, Bulle“, hätten sie ihn angesprochen, ihn niedergetreten und geschlagen. Dann sei er mit einer Chemikalie besprüht oder begossen worden. Um welche Substanz es sich handelt, werde noch untersucht. Auch sei unklar, ob der Beamte bleibende Schäden zurückbehält. Möglicherweise sei der Polizist, der uniformiert war, aber keine Schutzkleidung trug, auch von einem Stein getroffen worden. Er sei in eine Nebenstraße geflüchtet und dort zusammengebrochen. Zunächst waren aus der Demonstration mit über 4000 Teilnehmern heraus Farbbeutel auf das Gebäude der Europäischen Zentralbank (EZB) geworfen worden.

Später flogen Steine, Feuerwerkskörper und Flaschen. Schaufenster gingen zu Bruch, Autos wurden beschädigt. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Den Vorwurf, die Polizei habe provoziert, wies der Sprecher zurück. Sie habe sich im Gegenteil zunächst betont zurückgehalten und sei erst eingeschritten, als Wurfgeschosse flogen. Gegen alle 465 Demonstranten, die vorübergehend festgenommen worden waren, werde Anzeige erstattet, sagte der Polizeisprecher.

Ihnen werde unter anderem schwerer Landfriedensbruch, Sachbeschädigung, Brandstiftung, Körperverletzung und möglicherweise auch versuchte Tötung vorgeworfen. Einige wurden wegen Verstößen gegen das Waffenrecht angezeigt, sie hatten nach Angaben der Polizei Schlagstöcke und Schreckschusspistolen dabei. Die Demonstration war Teil eines „Europäischen Aktionstags gegen den Kapitalismus“. Veranstalter war das „M31 Network“ verschiedener linker Gruppierungen. Die Teilnehmer waren nach Erkenntnissen der Polizei aus ganz Deutschland, Frankreich und Großbritannien angereist.

 (dpa)

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