Nach Tod von Burghauner Bürgermeisterkandidat: Witwe will antreten

Gabriele Atzler will Bürgermeisterin werden. Foto: CDU Burghaun/nh

Burghaun. Ihr strahlendes Lächeln, mit dem sie sich als Kandidatin für das Bürgermeisteramt in Burghaun präsentiert, irritiert manche Menschen. Nun will sich die Witwe zur Wahl stellen.

Gabriele Atzler  kann das verstehen. Erst vor wenigen Wochen hat die 44-Jährige bei einem Motorradunfall ihren Mann Wolfgang (52) verloren, der im Juni zum Bürgermeister der 6500-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Fulda gewählt worden war.

Nun will sie sich zur Wahl stellen. „Ich weiß, dass manche Leute ein Problem damit haben und finden, ich müsse doch trauern. Aber ich trauere anders. Ich habe mir sehr schnell gesagt, dass ich jetzt in die Zukunft schauen muss“, sagt Atzler im Gespräch mit unserer Zeitung. Kraft und Stärke beziehe sie aus ihrem tiefen Glauben, den sie mit ihrem Mann geteilt habe: „Ich hoffe, die Menschen können das nachvollziehen“.

Die Grundschullehrerin, die in Kassel studiert und in Wabern (Schwalm-Eder-Kreis) ihr Referendariat gemacht hat, ist seit sieben Jahren Schulamtsdirektorin in Fulda. Sie will keineswegs das Erbe ihres Mannes antreten, „ich habe meine eigenen Schwerpunkte, etwa in der Familienpolitik, der Infrastruktur und der Seniorenbetreuung.“

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Bis zum Tod ihres Mannes hatte sie sich eher im Hintergrund gehalten, hat ihm den öffentlichen Auftritt überlassen. Das kinderlose Ehepaar hat sich in der CDU engagiert, sie trat 2006 in die Partei ein. Seine Wahl in der bisher von SPD-Mann Alexander Hohmann geführten Marktgemeinde galt als großer Umbruch, Atzler erhielt 57 Prozent. Seine Frau hofft nun, dass die CDU auch bei der neuen Bürgermeisterwahl am 17. November einen Erfolg erzielt, „sonst würde ich nicht kandidieren“. Weitere Kandidaten gibt es bisher nicht.

Gabriele Atzler wirkt selbstbewusst, sie will nicht als „Witwe von“ angesehen werden: „Ich habe in meiner beruflichen Karriere viele Kompetenzen erworben, die ich auch im Bürgermeisteramt nutzen kann“, sagt sie. Sie habe sich früh als Schulleiterin beworben, habe die Schulinspektion in Hessen mit aufgebaut und sei für 26 Schulen im Bereich des Staatlichen Schulamtes Fulda zuständig. „Ich habe auch viele Rückmeldungen von Frauen in meinem Alter bekommen, die meinen, es sei an der Zeit, dass eine Frau kandidiert.“

Wer dennoch nicht recht weiß, wie man der Frau nach ihrem Schicksalsschlag begegnen soll, auf den geht sie zu: „Ich bin ein kommunikativer Mensch, ich möchte nicht, dass andere sich unwohl fühlen, deshalb gehe ich ganz offen mit allem um.“

In der vergangenen Woche hat die vom Tod ihres designierten Bürgermeisters zunächst gelähmte Burghauner CDU sie mit großer Mehrheit zur Kandidatin gekürt. Sie selbst weiß, dass, sollte sie gewinnen, schwierige Aufgaben auf sie zukommen. Die osthessische Gemeinde schreibt zwar schwarze Zahlen, doch ging es ihr auch schon noch besser.

Ein Thema, das die Menschen aufwühlt, ist laut Atzler der Kampf gegen die Windkraft: „Wir haben mehrere Bürgerinitiativen, in denen mein Mann und ich auch gearbeitet haben.“

Hintergrund: Wie wird man Bürgermeister?

Bürgermeister, aber auch Landräte, werden in Hessen und Niedersachsen direkt von den Einwohnern der Städte und Gemeinden gewählt. Zur Wahl stellen können sich Deutsche und andere EU-Bürger, die in Hessen am Wahltag 25, aber noch nicht 67 Jahre alt sind. In Niedersachsen liegt das Mindestalter bei 23 Jahren. Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen bekommen hat. Wird das im ersten Wahlgang nicht erreicht, kommt es nach zwei Wochen zur Stichwahl. Die Amtszeit beträgt sechs Jahre . Eine vorzeitige Abwahl ist möglich, wenn zwei Drittel (Hessen) bzw. drei Viertel (Niedersachsen) der Gemeindevertreter dies fordern und die Mehrheit der Bürger dem Abwahlantrag zustimmt. Die Mehrheit muss in Hessen 30 Prozent, in Niedersachsen 25 Prozent der Wahlberechtigten umfassen. (wet)

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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