Nach Enthauptung in Algerien: Furcht und Entsetzen in Frankreich

Paris will sich von der Enthauptung eines französischen Wander-Urlaubers in Algerien durch die Terrormiliz IS nicht einschüchtern lassen - doch in Frankreich, insbesondere in Saint-Martin-Vésubie, der Heimatgemeinde des Opfers Hervé Gourdel, herrschen blanke Angst.

Paris. Die Fotos von Hervé Gourdel zeigen einen freundlichen, drahtigen Mann. „Komm zurück“ haben Bewohner aus dem südfranzösischen Dorf Saint-Martin-Vésubie, wo er als Bergführer arbeitete, auf Plakate unter ein Bild von ihm geschrieben. Doch zurückkommen wird der 55-jährige verheiratete Vater zweier Kinder nicht mehr. Extremisten der Gruppe „Dschund al-Chilafah“ („Soldaten des Kalifats“), die ihn bei einer Wanderung in einer gebirgigen Region im Osten Algeriens am Sonntag entführten, haben ihn vor laufender Kamera enthauptet und das Video ins Internet gestellt. Als „Botschaft des Blutes an die französische Regierung“.

Bei den Mitgliedern der Gruppe handelt es sich um ehemalige Aktivisten von al-Quaida im Maghreb, die sich im August der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben. Sie hatten einen sofortigen Stopp der Luftschläge Frankreichs an der Seite der USA gegen den IS im Irak gefordert.

Paris ließ sich jedoch nicht darauf ein und zeigte sich unbeeindruckt vom Aufruf der IS, die „bösen und dreckigen Franzosen“ zu töten - „egal, auf welche Art und Weise“. Gourdel war das erste Opfer dieses blutrünstigen Appells.

Die Menschen in Saint-Martin-Vésubie könnten diese Ungerechtigkeit nicht begreifen, sagt Bürgermeister Henri Giuge. „Es macht ihnen Angst, wir sind ein winziger Ort. Plötzlich sind wir mit dem Terrorismus in Berührung gekommen.“

Furcht und Entsetzen herrschen im ganzen Land: Der Krieg gegen den Terrorismus hat Frankreich erreicht. Hollande, der einen Krisen-Verteidigungsrat einberief, erklärte, es werde den Kampf gegen die radikalen Islamisten fortsetzen und nicht mit ihnen verhandeln: „Hervé Gourdel musste sterben, weil er Franzose war, weil sein Land, Frankreich, den Terrorismus bekämpft.“ Die militärischen Operationen würden „so lange wie nötig“ fortgesetzt.

Nachdem Hollande und Außenminister Laurent Fabius bei der Uno-Vollversammlung in New York erklärt hatten, die französischen Bombardierungen würden weiterhin nur IS-Stellungen im Irak treffen, da die Regierung in Bagdad explizit darum gebeten habe, schloss Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Donnerstag nicht aus, sie auf Syrien auszuweiten.

Premierminister Manuel Valls verteidigte Frankreichs militärisches Engagement vor den Abgeordneten der Nationalversammlung. „Die nationale Sicherheit steht auf dem Spiel wie schon lange nicht mehr.“ Eine Abstimmung im Parlament fand nicht statt, der Einsatz ist aber parteiübergreifend weitgehend unumstritten.

„Die Frage ist nicht mehr, ob es ein Attentat in Frankreich geben wird, sondern wann“, warnte der Leiter für die Koordination der französischen Anti-Terror-Bekämpfung, Loïc Garnier.

Neues Gesetz

Mit einem neuen Gesetz will Paris die Schutzmaßnahmen gegen das Risiko von Anschlägen verstärken. Es sieht unter anderem die Blockade von Internet-Seiten mit terroristischer Propaganda und die Verhinderung der Ausreise kampfbereiter Dschihadisten vor. Befürchtet werden allerdings radikalisierte Rückkehrer wie Mohammed Merah, der im Frühjahr 2012 drei Soldaten und vor einer jüdischen Schule drei Kinder und einen Rabbiner getötet hat. Oder Mehdi Nemmouche, der im Mai im Jüdischen Museum von Brüssel vier Menschen erschoss.

Von Birgit Holzer

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