Fall Skripal

Nach Giftanschlag: Russischer Botschafter warnt Berlin

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Russlands Botschafter in Deutschland, Sergej Netschajew, bestreitet jede Verwicklung seines Landes im Fall Skripal. Foto: Georg Hochmuth, APA

Die EU-Staaten stehen im Fall Skripal fest an der Seite Großbritanniens. Der russische Botschafter in Berlin hat dafür kein Verständnis. Für ihn stammen die britischen Vorwürfe aus "der Welt der Psychiatrie".

Berlin (dpa) - Der russische Botschafter in Berlin, Sergej Netschajew, hat Deutschland vor eigenen Konsequenzen gegen Russland aus dem Giftanschlag in Großbritannien gewarnt.

"Wir hoffen sehr, dass unsere deutschen Partner nicht nach fremden Regeln spielen werden, dabei noch mit geschlossenen Augen. Das liegt kaum in unser aller Interesse", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Die deutsch-russischen Beziehungen haben eine strategische Bedeutung."

Die EU hatte auf ihrem Gipfeltreffen am Donnerstag und Freitag ihre Tonlage gegenüber Moskau deutlich verschärft und erklärt, dass sehr wahrscheinlich Russland für den Anschlag auf den britisch-russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Yulia im englischen Salisbury verantwortlich sei. Die Staats- und Regierungschefs beschlossen, den EU-Botschafter aus Moskau für Konsultationen zurück nach Brüssel zu beordern. Dort wird der aus Deutschland stammende Diplomat Markus Ederer schon am Wochenende zu Gesprächen mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini erwartet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat weitere Schritte gegen Russland nicht ausgeschlossen. Sie will sich dabei mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron abstimmen.

Netschajew bestritt jede Verwicklung Russlands in den Anschlag auf Skripal. "Massenvernichtungswaffen auf dem Staatsgebiet eines Nato-Mitgliedstaates vorzubereiten, wozu man ein professionelles chemisches Labor und Experten benötigt, wobei die Folgen unumkehrbar sein können - das ist nicht einmal aus der Welt von Science Fiction, sondern eher der Psychiatrie", sagte er.

Der Botschafter, der seit Anfang März im Amt ist, verglich das Vorgehen Großbritanniens mit der Begründung der USA für den Irak-Krieg im Jahr 2003. "Ich möchte daran erinnern, dass wir all das schon mehrmals erlebt haben. Zum Beispiel, bei der Vorbereitung der Aggression gegen den Irak, als durch Lügen und Fälschungen Grundlagen für eine militärische Invasion geschaffen worden sind", sagte er. Die USA hatten damals angebliche Beweise dafür vorgelegt, dass der irakische Staatschef Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfügt. Diese Waffen wurden dann aber nie gefunden.

Zur Frage möglicher Gegenmaßnahmen Moskaus gegen die EU sagte Netschajew: "Das ist nicht unser Weg. Wir treten für eine offene und gründliche Untersuchung des Falls ein", sagte er. Der Botschafter betonte aber auch, dass sich Russland nicht unter Druck setzen lassen werde. "Wir werden keinem erlauben, mit uns eine Sprache der Ultimaten zu sprechen. Es ist absolut aussichtslos zu fordern, dass wir etwas eingestehen sollen, nur weil London es will."

Netschajew fühlt sich durch das Agieren Großbritanniens an den Kalten Krieg erinnert. "Wenn wir die jüngsten Entwicklungen verfolgen, entsteht der Eindruck, jemand möchte wirklich dieses Szenario abspielen lassen", sagte er. "Das Ziel bleibt, Russland für immer von Europa und von der EU abzuschotten." Russland sei aber interessiert an engen und gutnachbarlichen Beziehungen zu Europa und Deutschland.

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