Interview mit Artenschutzreferent

Nach Giraffen-Tötung in Dänemark: "Das gibt es auch in deutschen Zoos“

Geschlachtet und vorgeführt: Die gesunde Giraffe Marius wurde im Zoo Kopenhagen getötet, vor Publikum ausgeweidet und dann einem Löwen zum Fraß vorgeworfen. Das sorgt für Empörung auch in Deutschland. Foto: dpa

Das Töten der jungen und gesunden Giraffe Marius im Zoo Kopenhagen erregt die Gemüter. Das Tier wurde vor Publikum einem Löwen vorgeworfen. Wir sprachen darüber mit dem Artenschutzreferenten James Brückner vom Deutschen Tierschutzbund.

Die Tötung und Verfütterung der Giraffe Marius im Zoo Kopenhagen sorgt für Aufregung. Ist das nur die Spitze des Eisbergs?

James Brückner: Nach unseren Informationen kommt so etwas flächendeckend vor. Das fängt an bei den Tieren im Streichelzoo, vor allem bei Ziegen. Diese sorgen regelmäßig für Nachwuchs, die Jungtiere werden dann geschlachtet und verfüttert. Nicht ganz so häufig ist das bei größeren Tieren wie Braunbären oder Tigern oder jetzt den Giraffen. Das erregt dann mehr Aufsehen.

Also werden auch in deutschen Zoos Tiere regelmäßig getötet?

Brückner: Das wird auch in deutschen Zoos regelmäßig gemacht. Solche Aktionen werden allerdings selten an die Öffentlichkeit getragen.

Gibt es konkrete Beispiele?

Brückner: Im Zoo Magdeburg wurden drei gesunde junge Tiger direkt nach der Geburt eingeschläfert. Das wurde damit begründet, dass sie nicht reinrassig waren und somit nicht für weitere Zucht und Verwendung innerhalb des Zoos getaugt hätten.

Hatte das Konsequenzen?

Brückner: Der Zoodirektor und seine Mitarbeiter wurden angezeigt und auch rechtskräftig zu einer Geldstrafe verurteilt, weil für die Tötung ein vernünftiger Grund, der nach Tierschutzgesetz vorliegen muss, nicht vorhanden war.

Welches sind die genauen Kriterien für das Töten von Zootieren?

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Brückner: Von Zooseite werden oft Platzprobleme angeführt. Ein weiteres Argument ist das Vermeiden von Inzucht. Sowohl aus rechtlicher als auch aus Tierschutzgründen ist das nicht akzeptabel. Man müsste schon, bevor man züchtet, planen, was man mit den Tieren macht. Man kann mit Verütungsmitteln arbeiten oder die Tiere trennen, wenn Nachwuchs nicht gewünscht ist. Wir sprechen uns für das Vorsorgeprinzip aus. Zoss dürfen nicht züchten, wenn sie nicht wissen, wohin die Tiere sollen.

Ist das Töten von gesunden Tieren ethisch vertretbar?

Brückner: Nein. Eine Tötung ist nur dann gerechtfertigt, wenn die Tiere schwer krank sind und ihnen damit weiteres Leiden erspart wird. Die Zoos argumentieren, man müsse den Tieren Nachwuchs und Aufzucht ermöglichen. Das ist prinzipiell richtig. Aber in Zoos leben Tiere in einem künstlichen, von Menschen gemachten Umfeld. Sie sind zum Beispiel bei der Futtersuche, dem Sozialverhaltenn und den Bewegungsabläufen eingeschränkt. Insofern ziehen die Argumente nicht.

Warum wurde die Giraffe im Zoo Kopenhagen vor den Augen von Besuchern, darunter auch Kindern, verfüttert?

Brückner: In Deutschland kenne ich keinen solchen Fall. Der Zoo Kopenhagen argumentierte, er habe die Anatomie einer Giraffe zeigen wollen. Ich finde dieser Vorgehen weniger verwerflich als die Tatsache, dass man ein gesundes Tier getötet hat, obwohl offenbar in letzter Minute noch Angebote eingingen, es an einem anderen Ort unterzubringen.

Von Peter Klebe

Zur Person: James Brückner

James Brückner (36) ist Fachreferent für Arten- und Naturschutz beim Deutschen Tierschutzbund und dort zuständig für den Themenbereich Wildtiere. Er ist ledig und wohnt in München.

Das vollständige Interview können Sie morgen in der gedruckten Ausgabe lesen.  

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