Nach der Kölner Silvesternacht: Mehr Polizei im Karneval

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Größere Präsenz an Karneval: Die Sicherheitskonzepte der Polizei wurden nach den Vorfällen der Kölner Silvesternacht angepasst.

Köln/Düsseldorf/Mainz. Die Sicherheitskonzepte der Polizei für die Rosenmontagsumzüge am 8. Februar stehen nach den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln auf dem Prüfstand. Ein Blick auf die Karnevalshochburgen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Wenn sich am kommenden Montag die verkleideten Massen durch die Straßen der Großstädte am Rhein drängen, wird in Rheinberg im Nordwesten des Ruhrgebiets nicht viel los sein: Polizei und Stadt hielten nach den Übergriffen der Kölner Silvesternacht ein Sicherheitskonzept für erforderlich.

Der Karnevalsverein aus dem Ortsteil Orsoy konnte so schnell keinen fähigen Plan für den Rosenmontagsumzug vorlegen. Das Beispiel der 30 000-Einwohner-Stadt zeigt, dass die Polizei an Karneval in diesem Jahr besonders gefordert ist. Die Angst vor einer erneuten Reihe von sexuellen Übergriffen und Diebstählen gepaart mit der akuten Terrorgefahr macht es notwendig.

Köln

Die Kölner Karnevalisten sind optimistisch, was den Ablauf der tollen Tage angeht: „Die Säle sind voll, die Stimmung ist gut“, sagt Sigrid Krebs, Sprecherin des Festkomitees. In Sicherheitsfragen vertraue man der Polizei. Die hat angekündigt, dass sie in diesem Jahr in nie gekannter Stärke auf den Straßen präsent sein werde. Einfach seien die Einsätze noch nie gewesen, erklärt ein Sprecher. „Sie wissen, wie man sich das Bild vorstellen muss: Gewaltige Menschenmassen, dicht gedrängt, die Leute zum großen Teil kostümiert, sprich maskiert. Das heißt: Wir können das nicht zu 100 Prozent schützen.“ Unterstützt werden sie in diesem Jahr von Beamten der Bundespolizei.

Schon seit 2008 bereite sich die Polizei zudem auch darauf vor, wie man bei einem Terroranschlag auf den Rosenmontagsumzug reagieren müsste. In diesem schlimmsten Fall würde der Zug „kontrolliert beendet“. Eine der wichtigsten Neuerungen in diesem Jahr sei eine stärkere Videoüberwachung, um gewaltbereite Gruppen möglichst früh zu erkennen.

Von einigen Kostümen raten die Kölner Polizisten in diesem Jahr ab: Spielzeugwaffen und Bombenattrappen seien aus der Ferne nicht von echten Waffen zu unterscheiden. Vorab verteilten Polizisten einen „Karnevals-Knigge“ in Flüchtlingsheimen, in dem die Bräuche in elf Punkten erklärt werden.

Düsseldorf

Man werde die Lehren aus Silvester ziehen, sagt Andreas Czogalla, Sprecher der Düsseldorfer Polizei. Er verspricht deutlich mehr Präsenz, zivile und uniformierte Einsatzkräfte und Videoüberwachung. Body-Cams, wie sie zum Beispiel die Polizei in Mainz einsetzen will, gebe es in Nordrhein-Westfalen aber nicht. „Das ist vom Innenministerium nicht vorgesehen“, sagt Czogalla.

Im vergangenen Jahr sorgten 900 Polizisten für die Sicherheit mehrerer Hunderttausend Besucher. Zudem sind die Karnevalsvereine in NRW seit der Loveparade 2010 in Duisburg dazu verpflichtet, eigene Ordner zu stellen. Glasverbot gelte sowieso bei den Rosenmontagsumzügen, so Czogalla. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) kündigte kürzlich an, an den Karnevalstagen auch rund 2400 Kommissaranwärter des vorletzten und letzten Studienjahres im Streifendienst einsetzen zu wollen.

Mainz

In Rheinland-Pfalz kündigten Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz (beide SPD) rund um die Fastnacht in Mainz an, „zur Vermeidung von Übergriffen wie in Köln, die Präventionsmaßnahmen zu intensivieren“. Dazu werden in Abstimmung mit den Kommunen insbesondere Aufnahmeeinrichtungen für Asylsuchende von Polizeibeamten aufgesucht, um Aufklärungsarbeit zu leisten.

„An Brennpunkten werden wir verstärkt auf die Videoüberwachung, Body-Cams und mobile Einsatzgruppen setzen“, erläuterte Roger Lewentz. Das Pilotprojekt Body-Cam wird seit Juli 2015 in Mainz getestet. Erfahrungen hätten gezeigt, dass der offene Einsatz von Kameras eine deeskalierende Wirkung zur Folge habe, sagte der Innenminister.

Hintergrund: Die Bedeutung des Karnevals

Die Karnevalssession beginnt jedes Jahr am 11. November. Die Karnevalswoche, der sogenannte Straßenkarneval, ist aber die Hochzeit der Karnevalisten. Los geht es an Weiberfastnacht, einem Donnerstag, in diesem Jahr der 4. Februar. Den Höhepunkt der Karnevalswoche bildet Rosenmontag. In Köln sind an diesem Tag über eine Million Menschen auf der Straße. Zwei Tage später, am Aschermittwoch, endet die Karnevalssession.

Wirtschaftlich ist der Karneval ein bedeutender Faktor: Dem Institut der deutschen Wirtschaft zufolge beliefern 3000 Firmen die Narren in Köln, allein 15 Unternehmen stellen ausschließlich Karnevalsutensilien her. Die Gesamteinnahmen des städtischen Haushalts belaufen sich auf acht Millionen Euro, der Gesamtumsatz in Köln liegt bei mehr als 460 Millionen Euro.

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