Nach Missbrauchsskandal: Weihbischof hält Gottesdienst in Salzgitter

Stellte sich Kritik und Fragen: Weihbischof Heinz-Günter Bongartz. Foto: dpa

Salzgitter. Nach der Verhaftung eines Priesters wegen des Missbrauchs von Kindern hat Weihbischof Heinz-Günter Bongartz am Sonntag einen Gottesdienst in der katholischen Pfarrgemeinde St. Joseph in Salzgitter geleitet.

„Unsere erste Sorge gilt den Opfern, um die wir uns nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft kümmern werden“, sagte der Hildesheimer Weihbischof in seiner Predigt.

Das Geschehene zerstöre alle Bilder, die Bestürzung sei abgrundtief. Der 46 Jahre alte Gemeindepfarrer hatte den Missbrauch dreier Jungen gestanden und sitzt in Untersuchungshaft.

„Wir haben gehofft, dass es nach der Aufklärungswelle im vergangenen Jahr ruhiger werden würde und wir uns der Prävention widmen können“, sagte Bongartz in der mit mehr als 500 Menschen nahezu überfüllten Kirche. Und nun gebe es erneut Missbrauchsfälle. „Wir spüren eine große Bestürzung und Ohnmacht, uns fehlen die Worte für das, was geschehen ist“, betonte Bongartz. Aber: Die katholische Kirche werde eindeutig Position beziehen, es dürfe keinen sexuellen Missbrauch geben.

Bei einem Kirchenfrühstück nach dem Gottesdienst schlugen die Emotionen hoch. Im völlig überfüllten Saal im Pfarrhaus standen die Menschen dicht gedrängt. Der Weihbischof begrüßte einige Teilnehmer persönlich und stellte sich dann den Fragen der Gemeinde.

„Wann bekommen wir einen neuen Priester in unserer Gemeinde“, wollte eine Frau wissen. „Wieso hat die Diözese nicht vorher eingegriffen, es hat doch schon früher einen Verdacht gegen den Pfarrer gegeben“, fragte ein Mann aufgebracht. „Das ist alles schlimm, das durfte nicht passieren“, sagte eine ältere Frau leise, während andere lautstark diskutierten. „Ich wünsche mir jetzt einfach einen netten, gemütlichen Pfarrer“, sagte eine andere Frau.

Der Weihbischof betonte, dass es keine Hinweise auf einen sexuellen Übergriff gegeben habe. Der Priester war 2006 ins Visier des Bistums gerückt, weil er mit einem Jungen in einem Bett übernachtete. (lni)

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