Inspiriert von US-Rapper

Nach Özils Rundumschlag: Rapper Eko Fresh befeuert Rassismus-Debatte in neuem Song

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Gewissermaßen zwischen den Stühlen: In seinem Song „Aber“ redet Eko Fresh (M.) dem heimatverbundenen Deutschen (l.) und dem stolzen Migrantensohn aus der Türkei ins Gewissen.

Ein kahler Raum. Zwei Klappstühle. Ein Tisch. Und zwei Menschen mit extrem gegensetzlichen Ansichten. Mehr braucht Eko Fresh nicht, um ein großes Problem in der Rassismusdebatte auf den Punkt zu bringen.

München - Die USA bieten sich aktuell höchst selten als gutes Vorbild an. Doch in der durch Mesut Özils Rücktritt aus der DFB-Auswahl mit neuem Schwung und dem Hashtag #MeTwo losgetretenen Rassismusdebatte in Deutschland hat sich der deutsch-türkische Rapper Eko Fresh von einem US-Kollegen inspririeren lassen - und damit einen Volltreffer gelandet. In seinem neuesten Song „Aber“ lässt der gebürtige Kölner einen AfD-Wähler und einen Anhänger Recep Tayyip Erdogans aufeinander los - rein musikalisch, versteht sich.

Der Text sowie das dazugehörige Video werden im Internet mit Lob überhäuft. Denn Eko Fresh - mit bürgerlichem Namen Ekrem Bora - trifft angesichts der extrem aufgeheizten Gemengelage in der Bundesrepublik genau den richtigen Ton. So sitzen sich die beiden Protagonisten in einem kargen Raum auf Klappstühlen an einem Tisch gegenüber und geigen sich ihre extrem konträren Meinungen.

„Mich stör'n die Alibabas“ gegen „Ihr seid miese Heuchler“

„Als allererstes will ich klarstell'n, ich bin kein Nazi, aber / Mich stör'n die Alibabas mit ihrem Islam-Gelaber / es kann nicht wahr sein, dass so viele Kinder kriegen / Und ihre Frauen laufen fünf Meter hinter ihnen“ posaunt der AfD-Anhänger - dargestellt von Schauspieler und Synchronsprecher Patrick Mölleken - seinem Gegenüber entgegen. Und der vom Norderneyer Schauspieler Yunus Cumartpay verkörperte Erdogan-Fan kontert: „Als allererstes will ich klarstell'n, ich liebe Deutschland / Aber ihr seid miese Heuchler, wolltet mich nie bei euch hab'n / Ihr sprecht euch aus für ein Kopftuchverbot / Doch eure Frau'n ziehen gottlos den Rock noch was hoch.“

Später wird auch das Özil-Thema direkt angesprochen: „Doch als Sündenbock ist euch Özil gut genug / Aber Moment mal, was soll hier die Message sein? / Weltmeisterschaft vorbei, weil er ein Selfie teilt?“ Zeilen, die belegen, wie verfahren die Situation ist. Weil meistens nur über- statt miteinander gesprochen wird.

Eko Fresh will „zum Nachdenken anregen und zum Dialog aufrufen“

In der Bild erklärt Eko Fresh seine Intention: „Ich habe lange gebraucht, die neue und polarisierende Situation zu verarbeiten. Dabei habe ich mich buchstäblich in die Lage von zwei Vertretern extremer Positionen versetzt und versuche schließlich, mit meinem neuen Song 'Aber' zum Nachdenken anzuregen und zum Dialog aufzurufen.“ In seinem Song gehört ihm die dritte Strophe. Er setzt sich zwischen die beiden Parteien und rappt drauflos: „Als allererstes woll't ich klarstell'n, dass ich Ekrem Bora heiß`/ Deutscher Staatsbürger, ich frag' euch, was soll der Scheiß? / Ihr kennt euch doch so lang, reißt euch endlich mal zusamm'n.“

Damit hat er seinem Vorbild - dem US-Rapper Joyner Lucas - zumindest den eigenen Rap-Part voraus. In dessen Song „I'm Not Racist“ batteln sich ein Weißer mit „Make America Great Again“-Cap sowie Fast-Food-Figur und ein Schwarzer mit Goldkettchen sowie Cornrows. Dabei geht es rustikaler zu, die Kappe fliegt irgendwann zu Boden, der Tisch stürzt um. Zwischen den ganzen Vorwürfen werden die drei titelgebenden Worte von beiden Protagonisten gefühlt dutzendfach wiederholt.

Am Ende aber liegen sich der Anhänger von US-Präsident Donald Trump und der Vertreter der Afro-Amerikaner in den Armen. Der zum Schluss eingeblendete Text lautet: „Wir waren alle Menschen bis wir in Rassen aufgeteilt, in Religionen getrennt, durch Politik auseinandergebracht und nach Reichtum eingestuft wurden.“ Schlussworte, die nachdenklich stimmen. Und eine Reaktion erfordern.

mg

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