"Hört ihr ihre Schreie?"

Überlebender schildert erschütternde Szenen aus dem Bataclan

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Das Bataclan-Theater wurde am Freitagabend von den Geiselnehmern während eines Konzertes gestürmt.

Paris - Zitternde Geiseln, brennendes Geld und das Stöhnen von Verwundeten: Ein Überlebender der Geiselnahme im Pariser Konzertsaal Bataclan hat bislang unbekannte und erschütternde Details der Anschläge von Paris geschildert.

"Hört ihr ihre Schreie, ihr Leid? Jetzt könnt ihr die Angst spüren, die die Menschen in Syrien jeden Tag spüren", zitiert ein Überlebender namens Sébastien gegenüber der Zeitung "La Provence" die Attentäter. "Dies ist Krieg. Und es ist erst der Anfang. Wir werden die Unschuldigen töten!" sagten die Geiselnehmer laut Sébastien.

Über eine Stunde lang hielten die drei Angreifer am Freitagabend diejenigen Menschen als Geiseln fest, die den ersten Ausbruch der Gewalt im Bataclan überlebt hatten, wo die Attentäter 89 Menschen erschossen. Die verängstigten Konzertbesucher mussten verängstigt zuhören, wie ihre Geiselnehmer beteten. Dann wurden sie gezwungen, die Tötung der anderen Bataclan-Besucher gutzuheißen.

"Sie haben uns gefragt, ob wir ihnen zustimmen. Sie können sich die plötzliche Stille in dem Moment vorstellen", schildert Sébastien dem Radiosender RTL. "Die Schüchternen nickten nur, die Mutigeren sagten 'Ja'."

Widersprüche bei Geiselnehmern

Sébastien schildert die Angreifer als unorganisiert und schlecht vorbereitet. Als ein Polizei-Unterhändler mit ihnen über das Handy einer Geisel Verhandlungen führte, hatten sie keine Forderungen außer der, dass die Polizei sich fernhalten sollte. Zudem hätten sie sich widersprüchlich verhalten: Einerseits drohten sie, alle fünf Minuten eine Geisel zu töten und die Leiche aus dem Fenster zu werfen. Andererseits ließen sie Sanitäter ins Gebäude, um Verletzte fortzubringen.

Als die Polizei das Gebäude umstellte, zwangen die Angreifer mehrere Geiseln, bei französischen TV-Sendern anzurufen - doch niemandem gelang es, Journalisten an den Apparat zu bekommen. Irgendwann fragten die Attentäter Sébastien, ob er ein Feuerzeug habe und ob er meine, dass Geld wichtig sei. Weil er ahnte, was sie hören wollten, sagte er Nein. "Daraufhin zückten sie ein Bündel 50-Euro-Scheine, und ich musste es verbrennen", berichtet Sébastien. "Die anderen Geiseln haben mir dafür gedankt, dass ich nicht versuchte, mich als Held aufzuspielen".

Als Held wird Sébastien von vielen nun trotzdem gefeiert: Er rettete eine schwangere Frau, die in ihrer Furcht vor den Angreifern aus einem Fenster gestiegen war und am Fensterbrett minutenlang in 15 Metern Höhe über dem Bürgersteig in der Luft hing, bevor Sébastien sie auf ihr Bitten hin wieder ins Gebäude zog. Auch sie überlebte.

Alle aktuellen Informationen zur aktuellen Entwicklung in Paris in unserem News-Ticker.

AFP

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