Nach sexuellen und gewalttätigen Übergriffen: Göttinger Psychologe kann sich Vorfälle nicht erklären

Mainzer Ermittler befragen Kita-Kinder

Mainz. Nach gewalttätigen und sexuellen Übergriffen unter drei- bis sechsjährigen Kindern in der katholischen Kita „Maria Königin“ in Mainz beginnen die Ermittler in dieser Woche mit ihren Befragungen. Die Polizei will Mädchen, Jungen, Familienmitglieder und Erzieher zu den Geschehnissen vernehmen. Die Ermittlungen richteten sich gegen die Mitarbeiter.

Dr. Andreas Becker, Leitender Diplompsychologe der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen, ist schockiert. „Ich habe schon einiges gesehen, aber diese Vorfälle sind etwas ganz Neues.“ Becker betreut eine Station, auf der Kinder von sechs bis 13 Jahren behandelt werden. „Es kann vorkommen, dass Kinder in diesem Alter Händchen halten, aber von sexuellen Übergriffen dieser Art habe ich noch nie gehört“, sagt der 48-Jährige.

Warum die mittlerweile sieben gekündigten Mitarbeiter der Kita nichts von den Vorfällen mitbekommen haben sollen, kann sich der Mediziner nicht erklären. „Wenn fast alle Kinder betroffen sind, kann ich nicht verstehen, warum niemand etwas gemerkt haben soll“, sagt Becker. „Diese Vorfälle haben ja sicher die Stimmung der ganzen Gruppe beeinträchtigt.“

Die medizinische Betreuung der möglicherweise traumatisierten Kinder hat bereits begonnen. „Jeder Mensch hat eine andere Resilienz, also eine seelische Widerstandsfähigkeit und kann dementsprechend Krisen oder Traumata unterschiedlich gut bewältigen“, erklärt Becker. „Es kann zum Beispiel so kommen, dass 50 Prozent der Kinder die Erfahrungen in der Mainzer Kita unbeschadet überstehen. 25 Prozent brauchen psychologische Unterstützung und 25 Prozent der Kinder tragen langfristige Schäden davon.“ Das komme auf den Grad, die Häufigkeit und das Ausmaß der Übergriffe an und sei bei jedem Kind anders. „Jetzt muss bei jedem Kind einzeln entschieden werden, ob und in welcher Form es Hilfe braucht“, sagt der Psychologe. „Es darf aber auch nicht eingeengt werden.“

In der Kita „Maria Königin“ soll es nach Angaben des Bistums Mainz schwere sexuelle Übergriffe, Erpressung und Gewalt unter den Kindern gegeben haben. Sie sollen teils mehrfach am Tag gezwungen worden sein, ihre Geschlechtsteile zu zeigen und sich schlagen zu lassen. Zudem seien Gegenstände in den After eingeführt worden. (mit dpa)

Von Theresa Ziemann

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.