Das G im Namen steht für gewieft

Will gegen den Glücksspielstaatsvertrag klagen: Paul Gauselmann. Er wird heute 80. Foto: dpa

Glückspiel machte Paul Gauselmann zum Millionär - er baut die Geldspielgeräte. Heute wird der Automatenkönig 80 Jahre alt

Paul Gauselmann glaubt nicht an Glück. Gauselmann betreibt darum auch kein Glücksspiel, sondern baut Geldspielgeräte. Ab und zu gewinnt der Kunde. Am Ende gewinnt fast immer Gauselmann. Heute wird einer der letzten großen Nachkriegs-Unternehmer 80 Jahre alt.

Der Weg vom Sohn eines Heizers zum gewieften Multimillionär war nicht vorgezeichnet. Gauselmann, der während der Bombardierung von Nazideutschland im Keller „alle Spiele, die es so gab“ gespielt hat, hat die Kriegsnot nie vergessen. „Die Zeit hat mich geprägt. Wir haben alles zu Geld gemacht, was ging.“ Heute weist Gauselmanns Erfindungsreichtum fast 300 angemeldete Patente auf.

Nach der Volksschule macht sich Gauselmann 1964 selbstständig: Er arbeitet Musikboxen auf. 1974 eröffnet der Sportfan in Delmenhorst seine erste Spielothek mit der Merkur-Sonne: „Helle Räume, Teppichboden, Hydrokultur-Pflanzen, Kaffee.“ Zwei Jahre später wird sein erster selbstentwickelter Geldspielautomat zugelassen. Er erinnert sich: „Früher hießen die Automaten Lohntütenschlucker. In einer Stunde konnte man da den Durchschnittslohn von sieben Arbeitsstunden verlieren. Heute nur noch den einer halben Arbeitsstunde.“

Bis heute hat die Gauselmanngruppe – mehr als 20 Unternehmen – mit Sitz im nordrhein-westfälischen Espelkamp noch nie Verluste geschrieben. Kritiker werfen dem hemdsärmeligen Macher vor, das geschehe auf Kosten suchtkranker Spieler. Für Gauselmann kein Argument. Dem Magazin Stern entgegnete der Vater von vier Söhnen, er habe sich schließlich 70 Zigaretten am Tag abgewöhnt.

Gauselmann, der einen Herzinfarkt hinter sich hat, gilt als bestens vernetzt. Auch das wird dem in zweiter Ehe mit Frau Karin Verheirateten vorgeworfen: Nähe zur Politik. 20 Jahre lang hat er Parteien mit Geld unterstützt, fast eine Million Euro an Parteispenden sollen geflossen sein. Dass die Finanzspritzen so lange im Verborgenen geblieben sind, lag an einem Trick: Die Beträge waren so niedrig, dass sie nicht veröffentlicht werden mussten.

Gauselmanns Energie bekommt nun auch der Gesetzgeber zu spüren: Gegen den will der Jubilar jetzt vorgehen. Gauselmann will gegen den neuen Glücksspielstaatsvertrag klagen. Der sieht unter anderem weniger Automaten und niedrigere Gewinne vor – Gift fürs Geschäft. (mit dpa)

Von Matthias Hoffmann

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