Die DDR-Volkskammer legte in nächtlicher Sitzung den Wiedervereinigungstermin fest

Nationaler Gedenktag: Darum wurde es der 3. Oktober

In der alten Bundesrepublik war es ganz einfach: Von 1954 bis 1990 wurde der 17. Juni als „Tag der Deutschen Einheit“ begangen – in Erinnerung an den blutig niedergeschlagenen Volksaufstand in der DDR im Jahr 1953.

Seit nunmehr 22 Jahren ist der 3. Oktober nationaler Gedenktag und gesetzlicher Feiertag, jener Tag, an dem 1990 die DDR der Bundesrepublik Deutschland beitrat. Der 3. Oktober als Tag der formellen Vereinigung von Ost und West war im Einigungsvertrag festgelegt worden.

Fotos: Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit

Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit

Aber warum ausgerechnet der 3. Oktober? Die Auswahl des Termins hatte nichts mehr mit großen Gefühlen zu tun, wie sie sich mit dem 9. November 1989 verbanden, jenem Tag, als sich überraschend die Tore in der Mauer öffneten. Nein, der 3. Oktober hatte ganz nüchtern etwas mit Fristen und Terminen zu tun.

Rückblick: Nach dem Fall der Mauer und nachdem Kremlchef Michail Gorbatschow grünes Licht für die Wiedervereinigung gegeben hatte, wenn die Deutschen in beiden Staaten dies wollten, hatte sich im Laufe des Jahres 1990 die Furcht vor einem endgültigen wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch der DDR so verschärft, dass die inzwischen frei gewählte Ostberliner Regierung von Lothar de Maiziere auf einen möglichst schnellen Beitritt drängte.

Dabei war zweierlei zu bedenken:
• Zum einen war die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl auf den 2. Dezember festgesetzt worden. Dazu war es nach dem Wahlrecht notwendig, alle Wähler spätestens im Verlaufe der 40. Kalenderwoche zu Bürgern des wählenden Staates zu machen.
• Zum zweiten war Mittwoch, der 3. Oktober, der frühestmögliche Termin nach der Außenministerkonferenz der KSZE-Staaten am 2. Oktober. Dort sollten die Teilnehmer der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa über das Ergebnis der Zwei-plus-Vier-Verhandlungen informiert werden. Darin hatten sich die vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges und die beiden deutschen Staaten auf ein Abkommen geeinigt, das die Funktion eines Friedensvertrages erfüllte.

Das alles musste am 22. August 1990 von der DDR-Volkskammer bedacht werden, die ihre Debatte um 21 Uhr begann und die hitzig geführt wurde. Um 2.30 Uhr in der Nacht beschloss das Parlament: „Die Volkskammer erklärt den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes mit der Wirkung vom 3. Oktober 1990“. 294 Abgeordnete stimmten dafür, 62 dagegen, 7 enthielten sich.

Seither wird der 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Die zentrale Feier findet immer in dem Bundesland statt, das gerade den Vorsitz im Bundesrat hat. Das ist diesmal Bayern, gefeiert wird in München.

Von Wolfgang Blieffert

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