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Eskalation zwischen Nato und Russland? General sieht Schwachpunkt

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Von: Jan-Frederik Wendt

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Der Ukraine-Krieg spitzt sich weiter zu. Ein Befehlshaber der Bundeswehr sieht eine Schwachstelle für eine militärische Eskalation zwischen der Nato und Russland.

Ukraine - Wegen des Ukraine-Konflikts besteht die reale Gefahr einer militärischen Eskalation zwischen Russland und den Nato-Staaten - und zwar an der Nordostflanke der Nato, meint Bernd Schütt, neuer Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr. „Und deswegen ist der Punkt der glaubwürdigen Abschreckung in dieser Region für mich ein ganz zentraler Punkt. Hier spielt die Präsenz von Landstreitkräften eine zentrale Rolle“, sagte der Generalleutnant der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Auch deswegen will die Nato ihre Zahl der schnellen Eingreifkräfte drastisch erhöhen. Verstärkte Übungen für die Landes- und Bündnisverteidigung werde es auch in seinem Kommando geben. Schütt: „Diese Art von intensiver Kriegsführung haben wir hier so noch nicht trainiert. Da bedarf es einer Anpassung bestehender Strukturen und Verfahren“, wie fr.de berichtete.

Das Einsatzführungskommando in Schwielowsee bei Potsdam führt die Kontingente der Bundeswehr im Auslandseinsatz in nationalen Belangen – wie bei Material, Personal und im Disziplinarwesen –, nicht aber operativ. Bei Einsätzen wie in Litauen – wo die Bundeswehr einen multinationalen Gefechtsverband der Nato (eFP) führt – sind die deutschen Soldaten auch in die Verteidigungsplanungen des jeweiligen Landes eingebunden. Nach konkreter gewordenen russischen Drohgebärden im Streit um den Transitverkehr in die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad sind Befürchtungen im Baltikum zuletzt gewachsen.

Enge Landverbindung zu Nato-Staaten: General sieht geografischen Schwachpunkt

Als geografischer Schwachpunkt gilt die sogenannte Suwalki-Lücke, eine enge Landverbindung der baltischen Staaten zu den anderen Nato-Staaten. Sie trennt Kaliningrad von Belarus, wo Russlands Präsident Wladimir Putin Atomwaffen stationieren will.

Wegen Russland: Erhöhte Nato-Präsenz im Baltikum.
Wegen Russland: Erhöhte Nato-Präsenz im Baltikum. © Michael Kappeler/dpa

„Im Bereich der Suwalki-Lücke ist es nur ein kurzer Sprung und dort ist die Gefahr einer Testung des Verteidigungswillens und der -fähigkeit der Nato relativ groß. In diesem Raum kann man relativ schnell Truppen verlegen und dann zum Beispiel unter Einsatz von Luftlandetruppen einen ersten Stoß durchführen“, sagte Schütt. „In Putins Rational: Vielleicht denkt er, die Nato kommt nicht.“

Wegen Russland: Hohe Nato-Präsenz im Baltikum

Daher müssten die Nato-Truppen eine hohe Präsenz im Baltikum zeigen. „Das ist mehr als ein Stolperdraht. Da wird sich Putin sehr gut überlegen müssen, wie die Reaktion ausfällt“, sagte Schütt. Die Abschreckung sei zentral. „Die Glaubwürdigkeit machen aus meiner Sicht drei Dinge aus. Sie haben einen ausführbaren Plan, der mit dementsprechenden Kräften und Fähigkeiten hinterlegt ist. Und sie deklarieren, dass sie bereit sind, diese Kräfte einzusetzen. Und dabei nicht wackeln. Das zeigen sie und das demonstrieren sie.“

Dies habe dazu beigetragen, dass keine Angriffsvorbereitung von Moskau auf das Territorium der Nato zu erkennen seien. „Eine Mär hat sich endgültig erledigt: dass es ohne Vorbereitung geht. Ganz ohne Vorbereitung geht das auch bei den Russen nicht“, sagte Schütt. Es gebe eine Vorwarnzeit, aber nicht die Vorbereitungszeit, um dann Kräfte erst zu auszubilden und zusammenzuführen. (jfw mit dpa)

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