Nato zieht Afghanistan-Bilanz

Brüssel - Zehn Jahre dauert der verlustreichste Einsatz der Nato bereits an. In Brüssel ziehen die Verteidigungsminister heute eine Afghanistan-Bilanz. Bei den Deutschen glaubt nur noch eine Minderheit an ein erfolgreiches Ende der Mission.

Die Nato-Verteidigungsminister streben eine gerechtere Lastenverteilung beim Militäreinsatz in Afghanistan an. Bei den Beratungen am Mittwoch in Brüssel erhofft sich Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) zudem mehr Klarheit über die Abzugspläne der USA. Der für Ende des Jahres geplante Abzug der ersten deutschen Soldaten richtet sich auch danach, wie stark die Amerikaner in Nordafghanistan ihre Truppe verkleinern. Rund 70 Prozent der Deutschen glauben nach einer Umfrage nicht mehr an einen Erfolg der Mission. In der SPD will man eine Zustimmung zur Verlängerung des Mandats für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan Anfang 2012 an Bedingungen knüpfen.

Das ist Afghanistan

Das ist Afghanistan

Die Nato-Konferenz findet unmittelbar vor dem zehnten Jahrestag des Beginns des Afghanistan-Einsatzes statt, der mit etwa 2500 gefallenen Soldaten die verlustreichste Mission in der Geschichte der Nato ist.

Nur noch 23 Prozent der Deutschen halten nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa die Entsendung deutscher Soldaten weiterhin für richtig. Trotzdem ist eine knappe Mehrheit von 50,4 Prozent dafür, dass die deutschen Soldaten Afghanistan erst verlassen, wenn sie ihre Mission “angemessen abgeschlossen“ haben. 44,2 Prozent plädieren für einen sofortigen Abzug ohne Wenn und Aber.

SPD-Fraktionsvize Gernot Erler droht der schwarz-gelben Bundesregierung mit einem Nein bei der Anfang 2012 geplanten Abstimmung über eine Verlängerung des Afghanistan-Mandats. Seine Partei verlange Klarheit, ob die Regierung bis zum Jahreswechsel etwa 500 der rund 5000 deutschen Soldaten nach Hause schicken werde, sagte Erler der “Berliner Zeitung“ (Mittwoch). Er forderte außerdem von der Bundesregierung einen Fahrplan, wie das deutsche Kontingent 2012 weiter verkleinert wird. “Es gibt keinen Grund für die Bundesregierung, es anders zu machen als US-Präsident Barack Obama.“

Obama hat angekündigt, die mehr als 100 000 Soldaten starke US-Truppe bis September nächsten Jahres um 33 000 Soldaten zu verkleinern. Wo die Kräfte reduziert werden sollen, ist allerdings noch unklar. Die USA sind neben Deutschland der größte Truppensteller im Zuständigkeitsgebiet der Bundeswehr in Nordafghanistan. Deshalb richtet sich der geplante Abzug der ersten deutschen Soldaten auch danach, wie stark die Amerikaner ihre Truppe dort verkleinern.

Seit Anfang 2002 ist die Bundeswehr an dem Einsatz der internationalen Schutztruppe Isaf beteiligt. Insgesamt wurden bisher mehr als 100 000 deutsche Soldaten nach Afghanistan geschickt, derzeit sind rund 5000 dort stationiert. 52 deutsche Soldaten verloren in Afghanistan ihr Leben, 34 davon in Gefechten oder durch Anschläge.

# dpa-Notizblock

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.