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Nawalny erkrankt: Russischer Oppositioneller glaubt an menschliche „Biowaffe“

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Alexej Nawalny
Der russische Oppositionelle und Kreml-Kritiker Alexej Nawalny. (Archivbild) © Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

Der bekannteste Putin-Kritiker Nawalny ist in einer Strafzelle im Gefängnis erkrankt. Dahinter vermutet er eine menschliche „Biowaffe“.

München – August 2020 wurde Alexei Nawalny, der bekannteste russische Oppositionelle und ein scharfer Kritiker von Kreml-Chef Wladimir Putin, bei einem Flug nach Moskau vergiftet. Nachdem er in Berlin behandelt worden war, kehrte er im Januar 2021 nach Russland zurück und wurde bei seiner Ankunft in der russischen Hauptstadt verhaftet. Seitdem befindet sich der Oppositionspolitiker in Haft. Seine Gesundheit leidet – angeblich auch wegen eines heimtückischen Anschlags, berichtet merkur.de.

Putin-Gegner Nawalny in Strafzelle gesteckt: Er hat sich das Gesicht zu früh gewaschen

Was ist passiert? Zu Jahresbeginn wurde Nawalny laut eigenen Angaben zum zehnten Mal in eine Strafzelle gesteckt und ist dort offenbar erkrankt. „Ich habe es geschafft, meinen zehnten Aufenthalt in der Strafzelle zu gewinnen“, schrieb der Kreml-Kritiker im Kurznachrichtendienst Twitter. Am 31. Dezember hätten seine „Gefängnisidioten“ speziell für ihn eine Kommission einberufen.

Der Grund für Nawalnys Verurteilung zur Strafzelle setzt dabei der Absurdität der russischen Justiz ein neues Maß: Der Oppositionelle hat sich das Gesicht zu früh gewaschen. Statt um 6 Uhr habe er die Körperpflege um 5.24 Uhr gestartet, teilte er auf Twitter mit. Aufgrund der „Schwere des Verstoßes“ sei er für 15 Tage in die Strafzelle geschickt worden. „Das haben sie wirklich so gesagt“, schrieb Nawalny. Während eines Aufenthalts in der Zelle im August des vergangenen Jahres hatte er von „unerträglichen“ Zuständen dort gesprochen. Es handle sich um eine 2,5 zu 3 Meter große, kalte Zelle aus Beton, mit Wasser auf dem Boden und ohne Lüftung.

Der russische Oppositionspolitiker Alexei Nawalny und seine Frau Julia werden bei der Ankunft am Moskauer Flughafen von Sicherheitskräften in Empfang genommen.
Der russische Oppositionspolitiker Alexei Nawalny und seine Frau Julia werden bei der Ankunft am Moskauer Flughafen von Sicherheitskräften in Empfang genommen. © rtr/Reuters TV

Putin-Kritiker Nawalny befindet sich in Strafzelle – er leidet an Fieber, Schüttelfrost und Husten

Die Entscheidung hat offenbar seinen Plan für Silvester durchkreuzt: „Ich hatte eine Packung Kartoffelchips und eine Dose Fisch dafür aufgehoben.“ Stattdessen aber habe er die Nacht mit Schlafen verbracht. Begleitet wurde er wohl von zwei weiteren Häftlingen, von denen einer „psychotisch“ sei und einer herumgeschrien habe. Über seine schwierige Lage äußerte sich der Kreml-Kritiker mit einem ironischen Kommentar: „Unter dem Strich bin ich zufrieden. Menschen geben Geld aus, um das neue Jahr auf eine unübliche Art zu feiern, und ich bekomme das umsonst.“

Den zweiten Häftling neben Nawalny soll die Gefängnisleitung anders als alle anderen Häftlinge als krank registriert und ihn deswegen in den Krankentrakt verlegt haben. Dort aber wimmelte es nach Angaben von Nawalny nur so von Grippepatienten. „Und nach genau 24 Stunden warfen sie ihn wieder in meine Zelle“, so Nawalny. Offenbar begründet der Kreml-Kritiker seine aktuelle Erkrankung damit. Er vermutet: „Sieht so aus, als würden sie ihn wie eine Biowaffe nutzen.“

Dem Nawalny-Anwalt Wadim Kobsew zufolge leidet der Oppositionelle inmitten seines Aufenthalts in der Zelle jetzt unter Fieber, Schüttelfrost und Husten. „Wir versuchen, ihn mit Medizin zu versorgen“, informierte der Anwalt auf Twitter. „Leider hat die biologische Waffe funktioniert“, so Kobsew. Die russische Justiz wirft Nawalny Betrug vor. Im vergangenen Mai bestätigte ein Gericht die neunjährige Haftstrafe des Putin-Kritikers. Im November teilte er mit, er wolle sein Gefängnis verklagen. (bb)

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