Schutz für Uhus und Wanderfalken

Absage für Rechtsrock: Kein Treffen für Neonazis wegen brütender Vögel

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Hier gab es 2017 bereits ein Rechtsrock-Treffen: Die Kleinstadt Themar in Thüringen. 2018 wird das Konzert aber wohl ausfallen. Grund sind brütende Uhus und Wanderfalken.

Themar. Ein Rechtsrock-Spektakel im thüringischen Themar wird jetzt aus Naturschutzgründen verboten. Denn diverse Vögle sollen ohne laute Nazi-Klänge brüten dürfen.

Rechtsrock ist für Uhus, Wanderfalken, Bekassine oder Blaukehlchen, wenn sie brüten oder Nachwuchs großpäppeln, unzumutbar. Zumindest liegt diese Vermutung nah. Denn die für 8. Juni und 9. Juni 2018 im südthüringischen Themar an der Werra geplante Neuauflage eines Neonazi-Treffens hat der Landkreis Hildburghausen deshalb untersagt.

Mit Hinweis auf das Bundesnaturschutzgesetz und obwohl das Gelände auf zehn Jahre an Neonazis verpachtet sein soll, hat die Kreisverwaltung die Festivalwiese mit einem Bann belegt: Anfang Juni 2017 brüteten dort mehrere streng geschützte Vogelarten, die auch bei der Aufzucht der Jungen erheblich gestört würden. Anmelder des Neonazi-Treffens soll ein NPD-Funktionär sein. Wegen geschützter Tiere seien schon Autobahnen verlegt oder gar nicht gebaut worden, sagte Hildburghausens Landrat Thomas Müller (CDU) unserer Zeitung auf Anfrage.

Bereits im Juli 2017 hatten sich gegen Widerstand aus der Stadt rund 6000 Anhänger der rechten Szene aus dem In- und Ausland zum Rechtsrock-Festival „Rock gegen Überfremdung“ in Themar getroffen. Die kleine Stadt in thüringen hat knapp 3000 Einwohner.

Viele Bilder von Hitlergrüßen gingen anschließend durch die Medien, die Polizei griff zunächst nicht ein. 1000 Polizisten aus Thüringen und mehreren anderen Bundesländern waren im Einsatz – auch um ein Aufeinandertreffen der Teilnehmer des Rockkonzerts mit den Gegendemonstranten zu verhindern. Damals hatten Verwaltungsgerichte zugunsten der Rechten entschieden. 

Laut Polizei wurden bei der Veranstaltung im Jahr 2017 43 Strafanzeigen unter anderem wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Bedrohung, Körperverletzung und Waffengesetz-Verstößen gestellt. Drei Menschen kamen in Gewahrsam, von 440 weiteren wurde die Identität festgestellt.

Dagegen, dass sie brütende Vögel in Themar im kommenden Sommer nicht belästigen dürfen, können die Rechtsrock-Anmelder noch gerichtlich vorgehen. Erfolgsaussichten sind diesmal eher fraglich, glaubt Landrat Müller.

Ed Sheeran darf auch nicht auftreten

Er tritt in Essen statt in Düsseldorf auf: Ed Sheeran weicht bei seinem Konzert im Sommer 2018 einem seltenen Vogle aus - einer Feldlerchenart. 

Mit drohendem Auftrittsverbot wegen Naturschutz schlug sich im Übrigen jüngst auch der britische Popstar Ed Sheeran herum. Der 27-Jährige wollte am 21. und 22. Juli 2018 vor 80.000 Fans am Flughafen Essen/Mülheim auftreten. Ein Dutzend Feldlerchen-Paare dort machten den Veranstaltern aber einen Strich durch die Rechnung. Erst sollten die Vögel umziehen, nun weicht Ed Sheeran nach Düsseldorf aus.

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