Spektakulärer Fund: Nazigold am Ackerrand

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70 Jahre vergraben: Goldmünzen in einer Vitrine des Museums Lüneburg. Ein Hobby-Schatzsucher hatte die Münzen am Feldrand entdeckt.

Lüneburg. Ein Schatzfund an einem Feldrand bei Lüneburg gibt Forschern Rätsel auf.

Ein Hobby-Schatzsucher hat an einem Feldrand bei Lüneburg offensichtlich einen Goldmünzen-Schatz entdeckt, der dort seit der Nazi-Zeit versteckt lag. Verpackt in Geldsäcken der Berliner Reichsbank wurden 217 Goldmünzen der Jahre 1831 bis 1910 aus Frankreich, Belgien, Italien und Österreich-Ungarn geborgen -- die Beutel mit Plomben der Berliner Reichsbank mit Reichsadler und Hakenkreuz versiegelt und in Teerpappe verpackt.

Entdeckt wurde das Gold von einem Hobby-Schatzsucher mit Metalldetektor und behördlicher Suchgenehmigung. Der meldete den Fund der archäologischen Denkmalpflege, die dann eine wissenschaftlichen Ausgrabung startete. Gestern wurde der Schatz im Museum Lüneburg präsentiert. Darüber, wer die Münzen mutmaßlich in den Wirren des Kriegsendes 1945 verbuddelt haben könnte, wird jetzt heftig spekuliert.

Die Landeszeitung für die Lüneburger Heide spekuliert, dass möglicherweise NSDAP-Gauleiter Otto Telschow, Nazi-Statthalter und mächtigster Mann in Lüneburg, das Gold vergraben haben könnte. Heinrich Himmler, Reichsführer SS, eher nicht: Der habe zwar in Lüneburg Selbstmord begangen, sei aber schon an der Elbe von britischen Soldaten festgesetzt worden. Oder doch ein Besatzungssoldat, der sich im Tresor der Lüneburger Reichsbank-Filiale bedient hatte? Völlig offen, sagte Niedersachsens Landesarchäologen Henning Haßmann gestern. Man hoffe auf Tipps aus der Bevölkerung.

In 15 der 16 Bundesländer fallen über das so genannte Schatzregal herrenlose, verborgene Schätze mit dem Auffinden in Staatseigentum. In Bayern teilen sich Finder und Grundeigentümer Schatzfunde. Der Hobby-Schatzsucher von Lüneburg erhielt 2500 Euro als Finderlohn. (mit dpa)

Hintergrund: Schätze in Salz und im Berg 

Ganz andere Dimensionen hatte die Beute der SS, auch aus KZ, die US-Soldaten zu Kriegsende 400 Meter tief im Salz der Kaligrube Merkers (Thüringen) fanden: In über 1000 Säcken und Kisten lagen 8645 Goldbarren, Platin, Silber, Halden von Fremdwährungen und Goldmünzen besetzter Länder, drei Milliarden Reichsmark in Papier. Dazu der Welfenschatz, 189 Koffer mit Schmuck, Goldzähnen und Silberbesteck.

• Legendär ist auch die Geschichte des Goldzuges mit 24 Waggons voller Wertgegenständen ungarischer Juden. Der Zug wurde 1945 im Tauerntunnel versteckt, dann der US-Army übergeben. Große Teile wurden geplündert - die USA und Ungarn verhandelten Jahrzehnte über Rückerstattung.

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