Trauer nach Mandelas Tod

Südafrika wird zur "Regenbogennation"

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Kinder tragen ein Plakat Mandelas durch die Straße vor seines einstigen Wohnsitzes in Soweto.

Pretoria – Der Tod ihres Nationalhelden Nelson Mandela eint die Südafrikaner: Bei ersten Trauerfeiern trauerten Vertreter aller Parteien um den verstorbenen "größten Sohn der Nation".

Der Tod Nelson Mandelas macht viele Südafrikaner tief betroffen: „Mein Vater ist gestorben, deshalb bin ich sehr traurig“, sagt etwa Zogu Ntobo, ein 62 Jahre alter Straßenkehrer in Kapstadt. Und Präsident Jacob Zuma sieht seine „Nation vereint in Trauer“.

Schon wenige Stunden nach dem Tod ihres Nationalhelden versammeln sich Hunderte Menschen vor dessen letztem Domizil, dem Haus im Johannesburger Vorort Houghton. Sie tanzen, beten und singen. Es ist eine bewegende, trotzige Reaktion auf die traurige Nachricht, die alle am Kap schon so lange gefürchtet hatten. Denn „Madiba“, wie sein Clan und viele seiner Landsleute Mandela nennen, war selbst als schwer kranker Mann der größte Hoffnungsträger der noch immer tief gespaltenen Nation.

Die Südafrikaner waren auf seinen Tod vorbereitet. Zu oft schon hatten sie in den vergangenen Jahren um das Leben des Nationalhelden bangen müssen. Als aber Präsident Zuma am späten Donnerstagabend den Tod des 95-Jährigen verkündet, gehen wahre Schockwellen durchs Land. Viele werden von Freunden und Angehörigen mit der traurigen Nachricht aus dem Bett geklingelt. Bis zum Morgen haben sich fast alle, die in Südafrika etwas zu sagen haben, öffentlich geäußert. Am Freitagmorgen finden dann die ersten Gedenkgottesdienste und Andachten statt. Ganze zehn Tage sollen nun die Trauerfeierlichkeiten dauern.

Die "Regenbogennation": Mandelas Vision von Südafrika

In der Trauer um den „Vater der Nation“ blitzt vor allem die oft beschworene Vision des ehemaligen Freiheitskämpfers und späteren Staatsgründers von der „Regenbogennation“ auf. Ungeachtet von Hautfarben, Herkunft und politischem Standpunkt schienen die Südafrikaner am Freitag tatsächlich einig im Gefühl der Trauer.

Dabei waren gerade die letzten Monate von teilweise erbittertem politischen Streit geprägt, in dem auch die immer noch herrschenden Gegensätze zwischen Schwarz und Weiß eine erhebliche Rolle spielen. Der schwarze Populist und Linkspolitiker Julius Malema zündelte mehr denn je gegen die weißen Reichen. Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im April warfen schon lange Schatten.

Nun aber ist erst mal alles anders. Beschworen werden von allen Seiten die Werte, für die Mandela stand. „Wir sind als Nation vereint in Trauer“, betonte die südafrikanische Oppositionschefin, Helen Zille. „Wir gehören alle zur südafrikanischen Familie und deshalb gehören wir alle auch zu Madiba.“

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„Mandela verkörperte unsere gemeinsame Größe, ...unsere Hoffnungen und unsere Träume“, sagt auch Ex-Erzbischof Desmond Tutu, der sichtlich tief traurig und immer wieder den Tränen den Verlust Mandelas beklagt. Tutu, Friedensnobelpreisträger wie Mandela, ist es aber auch, der als einer der ersten auf die Unsicherheit aufmerksam macht, die dieser Tod auslösen könnte. Manche glaubten, „weil der Vater tot ist, werde es ein Desaster geben, ... das Land werde in Flammen aufgehen“, sagte Tutu. Wer so denke, habe keine Achtung vor der jungen Demokratie Südafrikas, sie sei stabil genug, auch den Tod der nationalen Ikone auszuhalten, glaubt der Geistliche.

Mandelas Tod berührt fast alle im Land: „Ich fühle mich schlecht, seitdem ich die Nachricht von Madibas Tod gehört habe“, sagt der Sicherheitsbeamte Ntsikello Hlobo (36) in Kapstadt. Mandela sei wie ein Vater für ihn gewesen. „1996 konnte ich nur wegen Mandela zur Schule gehen, weil er für kostenlose Schuluniformen und Essen gesorgt hat“, betont er. „Madiba ist immer noch unter uns, auch wenn er körperlich nicht mehr da ist.“

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Die sei „ein trauriger Tag für Südafrika“, sagt die Verkäuferin Koelsum Adams (45). „Ich glaube, die Menschen werden nun seine Gedanken mehr denn je in sich tragen.“ Es gehe jetzt darum, „das Vermächtnis Mandelas“ umzusetzen, meint der Polizist Joseph (27). „Rassenzugehörigkeit ist heute wieder viel wichtiger als 1994“, als das demokratische Südafrika mit Mandela an der Spitze geboren wurde.

Von der Zerrissenheit Südafrikas ist gerade in der Nacht vor dem Haus Mandelas in Houghton nichts zu spüren. Die Szene der tanzenden und singenden Menschen vor dem stark gesicherten Gebäude mit den vielen Polizisten und Soldaten, den flackernden Blaulichtern der Polizeiautos und den kreisenden Hubschraubern wirkt in diesen Stunden weit nach Mitternacht fast unwirklich und grotesk. Aber die Menschen kamen alle aus freien Stücken, keine Organisation oder Partei hatte sie gerufen.

Mandela wird von vielen Südafrikanern tief verehrt, von manchen sicher geliebt. „Ich bin optimistisch für Südafrika, insbesondere wenn ich sehe, wie die Menschen hier reagieren“, sagt der 26-jährige Adam Alagiah, ein Südafrikaner indischer Abstammung. „Die Schwarzen hier nahmen ein weißes Kind auf die Schultern, und sie sangen die Nationalhymne gemeinsam. Das war vielsagend, das war Madiba.“

dpa

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