Eisenbahnstrecken sollen für den Personenverkehr wiederbelebt werden

Neue Chance für alte Gleise

Bislang nur Sonderfahrten: Zwischen Einbeck und Salzderhelden fährt die Ilmebahn derzeit nur zu besonderen Anlässen mit einem Triebwagen (unser Bild). Das Unternehmen hat jetzt ein Konzept für die Reaktivierung für den Personenverkehr vorgelegt. Foto: nh

Nordhorn. Wer heutzutage mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Nordhorn reisen will, der braucht viel Geduld. Bis Bad Bentheim fährt ein Zug. Um in die knapp 20 Kilometer entfernt gelegene Kreisstadt an der niederländischen Grenze zu reisen, muss man in den Bus umsteigen. Viele Nordhorner wünschen sich, dass sich das ändert. Zusammen mit dem Kreis und der Privatbahngesellschaft Bentheimer Eisenbahn arbeitet die Stadt daher an einem Konzept zur Wiederbelebung des Schienenpersonennahverkehrs.

Seit fast 40 Jahren hält kein Personenzug mehr im Bahnhof der 53 000 Einwohner zählenden Stadt, sagt Stadtbaurat Lothar Schreinemacher. In den 70er Jahren wurde die Strecke geschlossen. Damals stieg der Grad der Motorisierung, jeder wollte ein Auto haben. Doch mittlerweile hat sich das Bild geändert. „Es scheint ein Wertewandel stattzufinden. Das Auto ist nicht mehr das alleinige Statussymbol“, sagt der Verwaltungsfachmann. Die Erreichbarkeit per Bahn sei wieder ein Imagefaktor, wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung.

Landesweit gibt es in Niedersachsen rund 20 Initiativen zur Reaktivierung stillgelegter Personenbahnlinien, sagt Rainer Peters, Sprecher der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG). Auch der Fahrgastverband Pro Bahn registriert einen breiten Trend zum Zug.

Lob für Initiative

Erst im März lobte er die Initiative aus Nordhorn genau wie Bestrebungen in Ostfriesland, die Bahnstrecke von Esens nach Bensersiel zu verlängern. „In Zeiten steigender Benzinpreise beginnen sich die Züge wieder zu füllen“, sagt der Landesvorsitzende von Pro Bahn in Niedersachsen, Björn Gryschka.

Doch tatsächlich gab es in den vergangenen Jahren kaum eine Wiederinbetriebnahme stillgelegter Personenstrecken – einzige Ausnahme ist der „Haller Willem“, ein Zug, der seit 2005 nach 21 Jahren Pause wieder zwischen Osnabrück und Bielefeld rollt.

Trotz des wiedererwachten Interesses am Zug stehe die Reaktivierung von Strecken derzeit nicht auf der Tagesordnung, betont deswegen auch LNVG-Sprecher Peters. Das sei allenfalls dann ein Thema, wenn Niedersachsen mehr Geld vom Bund für den Nahverkehr bekäme.

Im Juli beschäftigt sich auch der Landtag in Hannover mit einem Antrag von CDU und FDP, die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Personenstrecken zu prüfen. Es tut sich politisch also was.

Unterdessen bemüht man sich im Nordhorner Rathaus, die Hausaufgaben für die Wiedereröffnung zu machen. In die Strecke, auf der heute Güterzüge fahren, sei bereits mit Blick auf den Ausbau investiert worden. Auch technische Gutachten und eine Kosten-Nutzen-Analyse soll es noch geben, sagt Schreinemacher. „Wir wollen, dass die LNVG keine Gründe mehr finden kann, um uns abzulehnen.“ (lni)

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