Neue Chance - ein Kommentar zu Christian Wulff

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Christian Wulff bleibt im Amt

Berlin. Nach langem Schweigen hat Bundespräsident Christian Wulff am Donnerstag eine persönliche Erklärung abgegeben und sich entschuldigt. Nun hat er eine neue Chance verdient, meint Politik-Redakteur Wolfgang Blieffert.

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Den moralischen Zeigefinger hatte Christian Wulff stets besonders hoch gereckt. Ob als Oppositionspolitiker oder Ministerpräsident - immer belehrte er andere, Glaubwürdigkeit könne nur entstehen, wenn persönliches Verhalten und politisches Handeln nicht auseinanderklafften. Die vergangenen zehn Tage haben gezeigt, dass Wulff an diesen Maßstäben gescheitert ist. Und zwar kläglich.

Nicht nur die Umstände des Hauskredits und der Urlaube bei Freunden wirkten anstößig. Vor allem die Portionierung der Wahrheit hinterließ einen verheerenden Eindruck. Es war deshalb der Versuch eines Befreiungsschlages, dass Wulff gestern endlich vor die Öffentlichkeit trat und sich entschuldigte. Und er ließ dabei sogar Demut erkennen.

Wolfgang Blieffert

Der Auftritt war zu seinem politischen Überleben zwingend notwendig. Die Kanzlerin, die ihn vor anderthalb Jahren als Kandidaten durchboxte, hätte ihn zwar (nach dem Desaster mit Horst Köhler) nicht fallenlassen können. Um im Amt aber Wirkung erzielen zu können, musste Wulff den gestern beschrittenen Weg einschlagen. Denn die Ereignisse der vergangenen Tage haben seine Glaubwürdigkeit beschädigt. Mit der öffentlichen Erklärung hat er sich die Chance auf Rehabilitierung erarbeitet. Nun muss er sie aber nutzen. Denn andernfalls würde auch das Amt des Bundespräsidenten beschädigt, das eine von innerer Erosion bedrohte Gesellschaft mehr denn je benötigt.

Von Wolfgang Blieffert (bli@hna.de)

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