Batterien sollen Strom speichern

Neue Energiespeicher aus Kalifornien: Mit der Sonne durch die Nacht

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Spannungsausgleich im Netz: Batterieparks wie in Schwerin (Foto) gibt es schon länger. Nun drängt die Speichertechnik auch in die Haushalte.

Die Autokonzerne Tesla und Daimler drängen mit Energiespeichern für Solarstrom auf den Markt.

Sich komplett selbst mit Strom zu versorgen, ihn zu speichern das rückt durch die neuen Batterien in greifbare Nähe. Solarstrom würde vom Zufallsprodukt zur zuverlässigen Energiequelle. Ein Bericht von HNA-Redakteurin Martina Hummel.

Fahrzeugbauer wie der E-Auto-Pionier Tesla aus Nevada und Daimler aus Stuttgart haben den Markt für Energiespeicher entdeckt. Mit großen Batterien, die Strom aus Solarzellen auf dem Dach abspeichern und dann abgeben sollen, wenn die Leistung aus der Steckdose zu teuer ist, drängen sie auf den Markt. Die Technik dafür kommt aus der E-Auto-Fertigung. Alles nur Zukunftsmusik oder ein vielversprechendes Geschäftsfeld?

Die wirtschaftliche Seite: Die Unternehmensberatung Roland Berger schätzt den Markt mit stationären Energiespeichern im Jahr 2020 auf drei bis vier Milliarden Euro. Analysten der Deutsche-Bankprognostizieren, dass die Speicherkosten für den Strom in den nächsten fünf Jahren von 13 auf zwei Cent je Kilowattstunde (kWh) sinken werden. Letztlich könnte dann die Eigenversorgung mit Energie unter günstigen Umständen gerade noch sechs Cent je kWh kosten. Rund 20 Cent weniger, als Stromkunden derzeit berappen müssen.

Die Idee: Große Batterien, die für die E-Autos gedacht sind, sollen künftig auch für Haushalt und Industrie Strom bereithalten und helfen, Leistungsspitzen im Netz abzupuffern. Tesla, Daimler und mittlerweile auch die großen Energieversorger wie Eon und RWE drängen ins Geschäft für stationäre Energiespeicher.

Mit diesen Speichern könnte der tagsüber produzierte Strom nun auch nachts zur Verfügung stehen.

Die Anbieter, die Preise: Tesla hat für seinen sieben-Kilowatt-Energiespeicher für den privaten Haushalt einen Preis von 3000 Dollar (2628 Euro) genannt. Etliche Experten bewerten dies als eine Kampfansage an den Markt. Die Preise der meisten Speichersysteme, die von Elektronikkonzernen wie Samsung, Panasonic, Bosch und Varta angeboten werden, sind deutlich höher. „Der Teslapreis ist ein Großhandelspreis ohne Installateur“, wie ein Insider sagt. Was deutsche Verkäufer der Tesla-Powerwall, die bereits zu bestellen ist, draufschlagen, ist ungewiss. Inklusive Wechselrichter kalkuliert der Großhandel mit 4216 Euro. Der Preis pro Kilowattstunde würde dann bei 753 Euro liegen. Die deutsche Konkurrenz bewegt sich zwischen 1412 und 1750 Euro pro kWh.

Der Daimler-Speicher ist in Modulen aufgebaut. Ein Einzelmodul für Privatanwender hat eine Leistung von 2,5 kWh. Der Speicher kann bis auf 20 kWh erweitert werden. Daimler setzt bei der Entwicklung auf das Tochterunternehmen Accumotive im sächsischen Kamenz. Der Speicher kann bereits bestellt werden und ist ab September verfügbar. Zum Preis gibt es keine Angaben. „Wir werden wettbewerbsfähig sein“, sagt Madeleine Herdlitschka, Daimler-Pressesprecherin für Forschung- und Entwicklung.

Das sagen Experten: Volker Wachenfeld, Leiter der SMA Geschäftsfelds Off-Grid & Storage: „Die Steigerung des Eigenverbrauchs ist derzeit der sinnvollste Weg, Solarenergie besonders wirtschaftlich zu nutzen. Die effiziente Einbindung von Batteriespeichern ist somit ein wichtiger Schritt für eine erfolgreiche Dezentralisierung der Energieversorgung. Daher begrüßen wir ausdrücklich den Eintritt von Tesla in den Speichermarkt.“

Der Solartechnikhersteller aus Niestetal bei Kassel hat sich dem Thema seit den Pioniertagen der Speichernutzung verschrieben und bietet bereits eine Vielzahl von Lösungen an. Wachenfeld: „Auch für die Tesla-Batterie kann SMA zu deren Markteinführung eine geeignete Lösung anbieten.“

Hintergrund

Eine Familie, zwei Erwachsene und zwei Kinder, verbrauchen im Jahr im Durchschnitt 5000 kWh, ein Paar kommt auf 3500 kWh und ein Singlehaushalt liegt bei 2000 kWh.

Doch was kann man mit einer Kilowattstunde Strom, die im Schnitt 26 Cent kostet, alles machen? Beispiele vom Verbraucherportal Verivox:

• eine Maschine Wäsche

waschen

• 60 Minuten auf mittlerer Stufe staubsaugen (1000-W-Staubsauger)

• 60 Minuten mit einem 1000-Watt- Föhn die Haare föhnen

• 90 Stunden Licht einer Stromsparlampe (11 Watt)

• sieben Stunden fernsehen

• zwei Tage einen 300-Liter-Kühlschrank nutzen

• ein Mittagessen für vier Personen auf dem Elektroherd kochen. (mwe)

Erste Speichertests:

Tesla will mit seinem Batteriespeicher für Zuhause die Energiebranche aufwirbeln und einen neuen Milliardenmarkt erschließen. Doch so mancher dürfte sich fragen, was an Teslas Batterie ist so revolutionär?

„Technisch wird Tesla mit dem Produkt keine bedeutende Überlegenheit haben“, erwartet der Batterieexperte Andreas Gutsch vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Er hat diverse Lithium-Ionen-Batteriespeicher im Frühjahr getestet. Dabei wurden Batterien im Wechsel vollständig auf- und entladen. Namen von Herstellern hat Gutsch nicht veröffentlicht. Im PV-Magazin, das über den Test berichtet hat, lagen alle Zellen aus Deutschland und Japan im oberen Drittel, die aus den USA und Korea im oberen und mittleren Drittel. Würde Tesla auf dieselben Batteriezellen setzen wie in den Autos, sei dies sogar von Nachteil, so Gutsch. Denn diese haben zwar eine hohe Energiedichte, verlieren aber nach 500 bis 1000 Ladezyklen an Kapazität. Bei Hausbatterien sind jedoch schon bald 5000 bis 10 000 Ladezyklen Standard. Für einen stationären Energiespeicher seien, so Gutsch, mindestens 3000 Lebenszyklen nötig, um wirtschaftlich zu sein.

Mehr Informationen auf der Seite des KIT im Internet auf zu.hna.de/1G6WSoq.

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