Gültigkeit wird nicht begrenzt

Neue Führerscheine sollen jeweils nach 15 Jahren umgetauscht werden

Neu und alt: Der graue Führerschein, im Volksmund Lappen genannt, soll nicht mehr automatisch für alle Zeiten gelten. Er soll künftig alle 15 Jahre gegen ein neues Dokument ausgetauscht werden. Fotos: dpa

Es ist der allmähliche Abschied vom „Lappen“ auf Lebenszeit: Zum Stichtag 19. Januar 2013 greift eine europäische Richtlinie. Und bringt auch Änderungen für Autofahrer in Deutschland.

Neue Führerscheine bekommen damit ein generelles Haltbarkeitsdatum von 15 Jahren - und alle existierenden noch eine Galgenfrist von 20 Jahren bis Anfang 2033. Spätestens dann müssen auch Millionen graue und rosafarbene Fahrerlaubnisse mit Fotos aus Jugendzeiten getauscht werden. Die Aktion, die mehr Sicherheit bringen soll, ist umstritten.

? Warum ändert die EU die Führerscheinregeln?

!Die Richtlinie, die 2006 beschlossen wurde, vereinheitlicht die Regeln zu mehr als 110 Führerscheinarten in Europa. Dabei soll die regelmäßige Erneuerungspflicht nach Angaben der EU-Kommission sicherstellen, dass Führerscheine immer einen aktuellen Fälschungsschutz haben - zum Beispiel Hologramme. Außerdem ist der Besitzer bei Kontrollen leichter zu identifizieren, wenn das Foto höchstens 15 Jahre alt ist. Die Verfallsfrist der Dokumente gibt EU-Staaten die Möglichkeit, die Straßenverkehrstauglichkeit der Besitzer zu prüfen, falls nationale Regelungen das vorsehen.

? Was bedeutet das für Deutschland?

!Auch in Deutschland stecken verschiedene Führerscheintypen in Portemonnaies und Handschuhfächern - neben den klassischen „Lappen“ auch kleine im Scheckkartenformat. Insgesamt sind es nach Schätzungen rund 54 Millionen. Für bisherige Dokumente gibt es keine sofortige Umtauschpflicht. Bis spätestens 18. Januar 2033 muss dann aber jeder einen neuen EU-Führerschein haben. Den gibt es bei vorherigem Verlust auch als Ersatz. Dabei bleiben alle erworbenen Besitzstände für bestimmte Fahrzeugklassen erhalten, wie das Bundesverkehrsministerium erläutert. Gesundheitschecks oder Prüfungen sind nicht vorgesehen, außer für Fahrzeuglenker mit Extra-Verantwortung wie Busfahrer. Das Tauschen dürfte laut Autofahrerclub ADAC 20 Euro Gebühr kosten.

? Lohnt sich der Aufwand für den Umtausch?

!Die geplante Erneuerungspflicht im 15-Jahres-Takt ist umstritten. „Das ist ein Hyperbürokratismus“, schimpft Gerhard von Bressensdorf, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Millionen Dokumente müssten ersetzt werden, nur weil es um ein neues Passbild gehe. Zusammen mit dem Personalausweis könne man Fahrer auch bei älteren Porträts gut identifizieren. Dagegen sieht der ADAC eine sinnvolle Regelung, wie Markus Schäpe, Leiter für Verkehrsrecht, sagt. Ältere Dokumente ließen sich per Farbkopierer leicht fälschen. Ein EU-weites Register verhindere künftig zudem, dass manche Fahrer sich bei Entzug des Lappens im Ausland einen neuen besorgten.

? Was ändert sich noch für Autofahrer?

!Durchforstet werden zum 19. Januar auch Vorschriften für mehrere Fahrzeugklassen, vor allem bei Motorrädern. Neu eingeführt wird zum Beispiel eine Moped-Klasse mit dem Kürzel AM für Krafträder mit zwei oder drei Rädern. Darunter fallen auch Trikes, für die noch normale Pkw-Führerscheine gelten, sowie Leichtkraftfahrzeuge mit vier Rädern (Quads). Prinzipiell gilt: Führerscheine sind im Grunde nur ein amtlicher Beleg für die Erlaubnis zum Führen eines Fahrzeugs, erläutert das Kraftfahrtbundesamt. „Ein Führerschein kann gestohlen werden, die Fahrerlaubnis hingegen nicht.“ (dpa)

Von Sascha Meyer und Martina Herzog

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