Havarie der Glory Amsterdam vor Langeoog: Kette von Pannen soll sich nicht wiederholen

Neue Schiffe für Notfall-Retter

Festgefahrener Frachter Glory Amsterdam vor Langeoog, rechts Schlepper bei der Vorbereitung der Bergungsfahrt zur Küste. Archivoto: Havariekommando/nh

bremerhaven. Sogar der Verdacht von Sabotage hing zeitweise über der Glory Amsterdam, als sie Anfang November 2017 über Tage manövrierunfähig vor Langeoog feststeckte. Klar ist: Ziemlich viel von dem, was schiefgehen konnte, ging rund um die Bergung damals schief.

Polizei und die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) ermitteln. Längst liegt der 225-Meter-Frachter zur Reparatur in Bremerhaven. Auch unter dem Druck besorgter Resolutionen von Ostfrieslands Inseln will das Land Niedersachsen nun dafür sorgen, dass das Havariekommando Einsätze wie den jüngsten künftig schneller im Griff hat.

Das Notfallkonzept soll überarbeitet werden. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) fordert vom Bund neue Schiffe und mehr Personal für die Retter, außerdem bessere Technik, falls – wie zuletzt geschehen – alle anderen Stricke reißen.

Die Pannen

Rückblende: Sturm Herwart tobt über Deutschland. Der rot-schwarze Frachter Glory Amsterdam, der vor Helgoland auf Reede liegt, treibt davon. Ohne Ladung ist der Pott im Sturm ein leichter Spielball der aufgewühlten Nordsee. Zwei Anker halten ihn nicht, schleifen dem Schiff hinterher. Die chinesische Crew, so Vorwürfe, verschweigt über Stunden, dass die Ruderanlage des Frachters unter der Flagge Panamas defekt ist. Vom Hilfsschiff Neuwerk aus könnten Retter des Havariekommandos einen Vierfach-Notschlepphaken in die Ankerkette der Glory Amsterdam hängen, um sie zu stoppen. Dummerweise liegt die Neuwerk in der Werft. Andere Schiffe des Kommandos haben diesen Haken nicht.

Versuche des Hochseeschleppers Nordic, eine Notschleppverbindung zu legen, scheitern. Mehrfach reißen die Trossen, brechen gar Befestigungs-Poller aus dem Deck der Glory Amsterdam, die fürs Anlegen, nicht fürs Abschleppen ausgelegt waren. Ein Team, das die chinesische Crew auf dem Frachter unterstützen soll, kann der Helikopter im Sturm nicht übersetzen. Die schwankenden Aufbauten des Schleppers Nordic lassen ein Hochziehen der Leute nicht zu. Der Frachter treibt weiter südwärts.

Die Strandung

Endstation ist eine Sandbank vor Langeoog. Große Schlepper kommen nicht ran – das Wasser ist zu flach. Insel und Küste fürchten 2000 Tonnen Schweröl aus den Schiffstanks. Nicht nur das: Was wäre, wenn ein Havarist in einen Windpark weiter draußen rauscht? Wenn er auf der Sandbank unterspült würde und bräche? Es dauert drei Tage, bis der Frachter am 2. November freigezurrt wird.

Die Folgen

Und nun? Für zwei Mehrzweckschiffe des Havariekommandos in der Nordsee gibt es Neubau-Ersatz. Vorteil: Anders als Schlepper können sie auch zur Brandbekämpfung, nach Öl- und Chemieunfällen ausrücken. Auf nationaler Ebene, rät das Kommando weiter, könnte Deutschland anordnen, dass in vorgeschriebene Kontrollen fremder Handelsschiffe auch Übungseinheiten zum Verhalten im Notfall eingebaut werden. Diese Kontrollen, auf die sich 27 Staaten geeinigt haben, waren Folge eines Umweltdesasters von 1978. Damals barst vor der Bretagne der Tanker Amoco Cadiz: 200 000 Tonnen Rohöl liefen ins Meer.

Von Wolfgang Riek

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