Neue Suche nach Kali in der Region: Das Geld kommt aus Asien

Nebelschwaden über der Kaliabraumhalde Bischofferode (Thüringen): Ein Stück südlich im Raum Mühlhausen sollen jetzt Kalivorkommen in der Tiefe neu untersucht werden. Foto: Stefan Rampfel/dpa

Lohnt sich ein weiterer Bergwerksbau an der hessisch-thüringischen Grenze? Eine australische Erkundungsfirma macht sich jedenfalls auf die Suche - im Auftrag von asiatischen Investoren.

Zehn Kilometer bis Eschwege, 20 bis Witzenhausen: Ob im Nordwesten Thüringens, dicht zur Grenze mit Hessen wirklich neue Kaligruben aufgemacht werden, steht in den Sternen. Immerhin hat sich eine australische Erkundungsfirma jetzt exklusive Rechte zur Suche nach Kali- und Steinsalz, Bor- und Magnesiasalzen im Raum Mühlhausen verschafft. Das Bergamt Gera hat einer Tochter der börsennotierten Potash West Erkundungslizenzen in zwei Feldern von grob 450 Quadratkilometern erteilt. Die Suche ist aussichtsreich, das weiß man aus DDR-Zeiten und etwa 30 alten Bohrungen. Die Frage ist, ob und für wen sich ein Bergwerksbau lohnt.

Hinter Potash West, die bislang auch in Australien erkundet, aber noch nicht fördert, stehen mehrheitlich Investoren aus Asien - auch aus China. Das Reich der Mitte und Indien, größte Düngerimporteure weltweit, suchen am Weltmarkt nach Kali-Beteiligungen. Die englischsprachige Potash-Internetseite, kein Zufall, gibt es auch auf Chinesisch.

Dr. Georg Hochwimmer vertritt Potash in Deutschland. Der Kalipreis sei derzeit relativ niedrig, „der Wettbewerb um neue Kaliprojekte eher gering“, sagte der Geschäftsführer der Firma General Research in München auf Anfrage. Mit steigendem Nahrungsbedarf weltweit werde sich das aber ändern. Ob die Australier - nach erfolgreicher Suche - unweit des Werra-Standorts der mächtigen Konkurrenz von K+S selbst fördern oder das Vorkommen weiterverkaufen, sei offen.

Bodenschätze sind ein heikles Metier: Die Erdgassucher von BNK waren aus Thüringen schnell wieder weg.

Potash-West-Chef Patrick McManus jedenfalls spricht von einer Superchance, an einem Standort mit Top-Anbindung den Fuß auf Europas Kalimarkt zu setzen. Bis Ende Februar wollen die Australier alte Bergbauakten ausgewertet haben - gebohrt würde später. Bei K+S in Kassel hieß es, die Thüringer Felder seien bekannt. Man konzentriere sich auf das Legacy-Projekt in Kanada und die Prüfung der Wiederinbetriebnahme von Siegfried-Giesen bei Hildesheim.

• Infos zu Potash West: http://zu.hna.de/potashwest

Hintergrund: Nach der Wende dichtgemacht

• Zum VEB Kalibetrieb Südharz - Sondershausen gehörten zu DDR-Zeiten die Kaliwerke Sondershausen, Roßleben, Sollstedt, Bleicherode, Bischofferode und Volkenroda. Sondershausen, Bleicherode und Sollstedt wurden als Deponien oder Erlebnisbergwerk weiterbetrieben, die anderen Werke nach Wende und Kalifusion in den 1990ern dichtgemacht.

• Besonders dramatisch war die Stilllegung in Bischofferode: Dort wehrten sich Kumpel bis hin zu Hungerstreik und Bergwerksbesetzung gegen die Grubenschließung - vergeblich. Mehr Infos:

http://zu.hna.de/vebkali

Von Wolfgang Riek

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