Auch in Prothesen werden Drogen versteckt

Kokain im Implantat: Neue Taktiken beim Schmuggel machen es Zoll schwer

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Kurios: Eine Kolumbianerin schmuggelte ein Kilo Kokain als Brustimplantat. Die Droge war als teigförmige Paste präpariert.

Frankfurt. Sie heißen Mulis - abgeleitet von den Maultieren, die Lasten schleppen. Doch ihre Lasten sind lebensgefährlich. Sogenannte Bodypacker schlucken Drogen.

Sie befinden sich in speichel- und magensäureresistenten Beuteln und werden so ins Ausland geschmuggelt.

Der Frankfurter Flughafen ist ein internationales Drehkreuz für die Schmuggler, die sich Lebensgefahr aussetzen. Denn platzt eines der Päckchen im Körper, bevor die Schmuggler sie wieder ausscheiden können, bedeutet dies fast immer den sicheren Tod durch eine Vergiftung.

Kondome oder abgeschnittene Fingerkuppen von Gummihandschuhen - das sind die Verpackungen, in denen die Mulis die Drogen schlucken. Mit Öl oder Wasser werden die einzelnen Päckchen heruntergespült. Einige Mulis wurden schon mit über 100 der kleinen Päckchen im Körper festgenommen. „Die häufigste Droge, die wir bei Bodypackern finden, ist eindeutig Kokain“, erklärt Hans-Jürgen Schmidt vom Zollfahndungsamt Frankfurt. Die meisten Bodypacker kämen aus südamerikanischen Ländern eingereist, in denen Drogen angebaut werden. In erster Linie aus Kolumbien, Brasilien und der Dominikanischen Republik.

„Während des Flugs essen die Schmuggler meist nichts“, weiß Schmidt. Sie nehmen zudem häufig Medikamente, die den Magen-Darm-Trakt ruhigstellen, oder essen einige Zeit zuvor viel Schokolade, weil das den Darm träge macht.

Röntgenbild: Mehr als eineinhalb Kilo Rauschgift hat ein 20-jähriger Schmuggler geschluckt. Eine Computertomografie zeigt 142 kleine Packungen in seinem Körper.

17 Bodypacker hat das Zollfahndungsamt Frankfurt 2014 verhaften können - das war nur knapp die Hälfte an Schmugglern im Vergleich zum Vorjahr. Zahlen für 2015 gibt es noch nicht. Ein Grund für die geringerenVerhaftungen könnte etwa sein, dass die Schmuggler neue Taktiken anwenden. So wurde beispielsweise im März eine 24-jährige Kolumbianerin am Frankfurter Flughafen festgenommen, die ein ganzes Kilo Kokain in zwei Brustimplantaten schmuggelte. „Der erste Fall in Deutschland, bei dem in dieser Form Rauschgift im Körper geschmuggelt wurde“, sagt Schmidt.

Die Kolumbianerin war bei der Einreisebefragung aufgefallen, sie hatte zudem frische Operationsspuren im Brustbereich, die den Verdacht des Körperschmuggels erhärteten. Der Frau wurden die Brustimplantate entfernt, in denen Kokain als teigförmige Paste präpariert war. Das Rauschgift hatte einen Wert von 50.000 Euro.

Nicht nur Implantate, auch Prothesen werden von Schmugglern häufig mit Drogen gefüllt. Auch für die Beutel im Körper gibt es eine neue Taktik: „Inzwischen werden Beutel mit flüssigem Kokain von den Mulis geschluckt. Diese sind bei einer Röntgenkontrolle schwieriger zu lokalisieren“, erklärt Schmidt.

Die meisten Schmuggler kommen aus armen Verhältnissen und erhoffen sich, durch Bodypacking schnell Geld verdienen zu können. So war die Kolumbianerin, die Kokain in Brustimplantaten transportierte, eine Erntehelferin, die drei Kinder ernähren muss.

Der Frau sowie anderen Schmugglern drohen in der Regel bei einer Drogenmenge von 800 bis 1000 Gramm im Körper Haftstrafen zwischen drei und vier Jahren.

Angaben zu Bodypackern, die durch geplatzte Beutel verstorben sind, führt das Zollfahndungsamt Frankfurt nicht. „Mir sind zwei Fälle bekannt, diese liegen aber schon einige Jahre zurück“, erinnert sich Schmidt.

Wenn in Deutschland Bodypacker vom Zoll oder der Polizei gefasst werden, dann dürfen seit 2006 keine Brechmittel mehr eingesetzt werden, um die Drogen schneller aus den Körpern der Mulis herauszuholen. Das verstößt gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. So muss gewartet werden.

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