Stromtrassen-Erdkabel punktet beim Technik-Dialog der Bundesnetzagentur

Ganz neuer Anlauf für Südlink: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Hochspannungs-Erdkabel einer Gleichstrom-Übertragung für Windparks. Foto: dpa

Erdkabel oder Freileitung? Westlich von Göttingen und Kassel oder anderswo? Die Karten zum Bau der Südlink-Höchstspannungsleitung werden neu gemischt.

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat zum einen erste Korridorvorschläge von Netzbetreiber Tennet als unzureichend vom Tisch gewischt. Und: Die von vielen Kritikern favorisierte Erdverkabelung soll über Gesetzesänderungen stärker zum Zug kommen als bisher geplant.

Das machte der Technik-Dialog der BNetzA in Kassel klar - anderes zum hochstrittigen Projekt wissen nicht mal Experten. Und in Debatten werden oft Wechsel- und Gleichstromübertragung unzulässig über einen Kamm geschoren.

Welche Vorteile hat die Erdverkabelung? 

Man sieht sie nicht - anders als die 70 Meter hohen Mastenreihen quer durchs Land. Sie gefährdet keine Vögel, Blitzschlag, Eis- und Schneestürme können Erdkabeln nichts anhaben. Sie gelten politisch leichter durchsetzbar. Bei Gleichstromleitungen (HGÜ), um die es bei Südlink geht, erzeugen Erdkabel laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) außerhalb des Bodens keine elektrischen Felder, nur eng begrenzte magnetische - anders als HGÜ-Freileitungen. Mit Blick auf die Gesundheit von Anwohnern gelten Grenzwerte für diese Felder. Darunter seien konkrete Gesundheitsgefahren wissenschaftlich nicht nachgewiesen, so das BfS. Aber vieles ist einfach auch noch nicht erforscht.

Und die Nachteile der unterirdischen Stromtrasse? 

Größere Eingriffe in den Boden als beim Mastenbau und höhere Investitionskosten. Die liegen um das Zwei- bis Zehnfache über denen von Freileitungen - je nachdem, wen man fragt. Rechnungen sind oft undurchschaubar oder schief. Erdkabelbefürworter, wie die 21 Landkreise des Bündnisses „Hamelner Erklärung“, fordern, auch andere Kosten mit anzusetzen: Wertverlust von Häusern unter Freileitungen, die Vermeidung von Sabotage- und Wetterrisiken oder Klagewellen.

Was ist mit der Wärmeentwicklung von Erdkabeln? 

Wird als Problem überbewertet, sagte Bodenexperte Norbert Feldwisch in Kassel. Allenfalls trockene Böden reagierten. „Ausgeprägte Wachstumsschwächen“ fänden sich im Übrigen auch über den 450 000 Kilometern Gasleitungen in deutschen Böden.

Was sagen Kritiker, die Südlink ganz ablehnen? 

50 Initiativen mit eigenem Bundesverband fordern statt Netzausbau dezentrale Energiewendeplanung, die neue Riesentrassen überflüssig macht. Dass Südlink eben nicht nur Nordsee-Windstrom in den deutschen Süden schaffen, sondern auch eine Rolle beim Stromexport ins Ausland spielen soll, räumten BNetzA-Vertreter in Kassel ein.

Wie geht es bei Südlink nun weiter? 

Tennet muss für die Südlink-Trasse Wilster - Grafenrheinfeld und die weithin damit gebündelte Leitung Brunsbüttel - Großgartach einen ganz neuen Anlauf machen. Das kann bis Herbst dauern. Längere Erdkabel-Abschnitte könnten die Korridorwahl durcheinanderwirbeln. Wann, wo und wie gebaut wird, weiß niemand.

Was tut sich politisch in Sachen Netzausbau? 

Die Erdverkabelung bleibt nicht auf wenige Pilotprojekte beschränkt. Man könne „große Anteile“ von Südlink unterirdisch verlegen, hieß es von Tennet - „abhängig von der Diskussion in Berlin“. Das Landkreis-Bündnis wüsste auch schon wo: mindestens durch die Ballungsräume Hannover, Kassel und Fulda. Entscheidungen, auch zum Südlink-Streit mit Bayern, soll es kommende Woche bei einem Spitzentreffen der Koalition geben.

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