Russischer Topmanager im Gefängnis – Moskau setzt Weißrussland unter Druck

Neuer Akt im Kalidrama

Vladislav Baumgertner

Kassel. Es war offenbar eine Falle. Auf Einladung des weißrussischen Regierungschefs Michail Mjasnikowitsch war Uralkali-Chef Vladislav Baumgertner nach Minsk geflogen. Gesprächsbedarf gab es reichlich:

Der russische Kaliriese hatte Ende Juli die Exportkooperation BPC platzen lassen, in der er mit dem weißrussischen Staatskonzern Belaruskali den Dünger vertrieb. Für Baumgertner endete das Treffen hinter Gittern.

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Am Flughafen wurde der Top-Manager festgesetzt, die Staatsanwaltschaft verhängte zwei Monate Untersuchungshaft. Sie wirft ihm und weiteren Uralkali-Managern vor, durch Insidergeschäfte einen Schaden bis zu 75 Millionen Euro angerichtet zu haben. Baumgertner drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Als Uralkali den weißrussischen Partner versetzte, traf der Konzern das Nachbarland an einer empfindlichen Stelle. Die Allianz BPC stand für rund 40 Prozent des weltweiten Kalimarktes und betrieb in den Verhandlungen mit den großen Abnehmerländern wie Indien und China eine lukrative Preispflege. Davon profitierten nicht nur das chronisch klamme Weißrussland, sondern auch andere Bergbaukonzerne, nicht zuletzt der Kasseler Kali- und Steinsalzproduzent K+S.

Die Angst, das Ende der fast heilen Kaliwelt könnte die Preise ins Rutschen bringen, ließ weltweit die Aktien der Kaliproduzenten abstürzen. Allein K+S verlor durch den Aufruhr rund 1,4 Milliarden Euro an Börsenwert. Der Aktienkurs hat sich nicht komplett erholt, und die Prognose, den operativen Gewinn in diesem Jahr ausbauen zu können, hat der Kasseler Konzern vorsichtshalber gestrichen.

Für Weißrussland, das wegen Menschenrechtsverletzungen vom Westen sanktioniert wird, ist Kali neben zwei Erdölraffinerien die wichtigste Devisenquelle. Im vergangenen Jahr brachte sie dem Regime um den Diktator Alexander Lukaschenko 3,2 Milliarden Dollar (2,4 Mrd. Euro) ein. Ein Preisverfall um ein Viertel auf unter 300 Dollar je Tonne, den Baumgertner in die Diskussion brachte, würde das Handelsbilanzdefizit des Staates nach Berechnungen der russischen Bank VTB um eine Milliarde Dollar in die Höhe treiben. Schon heute gibt Weißrussland vier Mrd. Dollar mehr für Importe aus, als es durch Exporte einnimmt.

Entsprechend hart geht es im Kalistreit zur Sache. Nach Baumgertners Verhaftung keilt Russland zurück: Der Außenpolitiker Michael Margelow schimpft über „mittelalterliche Methoden“. Regierungschef Dmitri Medwedew habe „alle notwendigen Anordnungen“ getroffen, heißt es in Moskau. Der staatliche Rohstoffkonzern Transneft kündigte an, die für Weißrussland so wichtigen Öllieferungen im September um 400 000 Tonnen und damit um ein Viertel zu kürzen. Offizieller Grund: Renovierungsarbeiten an der Pipeline. (mit dpa)

Von Barbara Will

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