Pädagoge unterrichtete in der Schweiz, obwohl er in Hessen dienstunfähig war

Neuer Prozess gegen Lehrer

LIMBURG. Weil er Berufsunfähigkeit vorgetäuscht haben soll, muss sich ein ehemaliger Lehrer aus Gießen seit Dienstag erneut vor Gericht verantworten. In dem Berufungsprozess vor dem Landgericht Limburg geht es um Betrug. Der 61-Jährige ließ bei Prozessbeginn durch seinen Anwalt erklären, dass er alle Vorwürfe gegen ihn nach wie vor bestreitet.

Der Mann war im Dezember 2011 vom Amtsgericht Wetzlar wegen versuchten und vollendeten Betruges zu einer einjährigen Bewährungsstrafe und 20 000 Euro Geldbuße verurteilt worden. Laut Gericht hatte er jahrelang auf krank gemacht - und von der Berufsunfähigkeitsversicherung zu Unrecht etwa 30 000 Euro kassiert.

Psychische Probleme

Der Wetzlarer Berufsschullehrer war 1997 für dienstunfähig erklärt und 1998 in den Ruhestand entlassen worden. Ein Experte hatte ihm psychische Probleme attestiert. Das psychiatrische Gutachten bescheinigte ihm, dass er den Anforderungen des Schulalltags nicht mehr gewachsen sei.

Trotzdem übernahm er 2001 eine Stelle als Berufsschullehrer in Bern in der Schweiz und kassierte neben einer Frühpension von monatlich 350 Euro und einer Zahlung aus einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung von rund 1000 Euro noch umgerechnet 6500 Euro aus dem Schweizer Dienstverhältnis.

Anonyme Anzeige

Eine anonyme Anzeige brachte die Ermittler auf die Spur des Mannes, der später als einsatzfähig eingestuft wurde. Zwischen 2003 und 2009 folgte deshalb ein Rechtsstreit. In dieser Zeit soll er Behörden und Versicherung getäuscht haben. Gegen das Wetzlarer Urteil gingen Verteidigung und Staatsanwaltschaft in Berufung. Der Prozess wird fortgesetzt.

Der Lehrer begründet die Annahme der Stelle bis heute damit, dass ihn das deutsche Schulsystem krank gemacht habe. Da die Bedingungen in der Schweiz viel besser seien, könne er dort unterrichten. (lhe)

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