Neuer Trend im Kino: Vorhang auf für Luxus

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Film ab in Salon-Atmosphäre: Das Premium-Kino Residenz in Köln wirbt mit edler Ausstattung und Extra-Service um Besucher. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe solcher Luxuskinos. Kleines Foto: Das neue Astor Grand Cinema in Hannover von außen.

Edelkinos setzen auf ein anspruchsvolles und zahlungskräftiges Publikum

Film ab in Salon-Atmosphäre: Das Premium-Kino Residenz in Köln wirbt mit edler Ausstattung und Extra-Service um Besucher. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe solcher Luxuskinos. Kleines Foto: Das neue Astor Grand Cinema in Hannover von außen.

Hannover. Seine Premiere Anfang Dezember feiert das Grand Cinema als gelungen: „Es ist ausgezeichnet gelaufen“, kommentiert Sprecher Arne Schmidt den Start des Luxuskinos in Hannover. Bis zu 4800 Besucher kamen täglich, auch dank der Weihnachtstage. Für das ganze Jahr rechne man mit 600 000 Gästen. Mit zehn Sälen und 2200 Sitzplätzen ist das Astor Grand nach eigenen Angaben das größte Premiumkino Deutschlands.

Hinter dem für neun Millionen Euro umgebauten Haus steht Kino-Urgestein Hans-Joachim Flebbe, Gründer und ehemaliger Vorstandschef der Kinokette Cinemaxx. Der 63-Jährige hat mit Geldgebern fünf weitere Luxuskinos in Köln, Frankfurt, München und Berlin eingerichtet, darunter den traditionsreichen Zoopalast in der Hauptstadt.

Champagner an der Bar

Nicht nur Flebbe setzt auf das Verwöhn-Konzept mit breiten Ledersesseln, Garderobe und Bedienung am Platz sowie Champagner an der Snackbar. Die Hamburger Kette Cinemaxx hat sechs ihrer 33 Kinos um Edel-Sitzreihen ergänzt, und in Nürnberg hat der Unternehmer Wolfram Weber vier Sälen seines Kinozentrums Cinecittà ein Erste-Klasse-Flair verpasst. Sie alle buhlen um ein anspruchsvolles Publikum jenseits der 30, das „Kino als Ausgehen versteht“, so Schmidt.

Doch ein breiter Trend werden Edelkinos kaum werden: Sie sprächen eine bestimmte Zielgruppe an und könnten sie „ erneut aktivieren und Impulse schaffen“, heißt es bei Cinemaxx. „Allerdings ist für den Gesamtmarkt das Filmangebot viel entscheidender.“

Hans-Joachim Flebbe

Zwölf bis 16 Euro kostet die Karte in der Luxus-Loge und ist bis zur Hälfte teurer als ein herkömmlicher Platz. Dem höheren Ticketpreis, von dem der Filmverleiher fast die Hälfte kassiert, stehen höhere Kosten gegenüber, weniger Sitzplätze als in herkömmlichen Sälen und stattliche Investitionen: Cinemaxx etwa beziffert die Umbaukosten für die First-Class-Säle des Unternehmens in Essen und Mühlheim auf jeweils 250 000 Euro.

„Die Gewinnmargen sind nicht sehr unterschiedlich“, sagt Astor-Grand-Sprecher Schmidt. Dafür sei die Auslastung besser - mit einem Publikum, das im gehobenenen Ambiente auch gern gehoben knabbert. Kinobetreiber machen 30 Prozent des Umsatzes mit der Gastronomie, und Premiumkino-Besucher gönnen sich gern etwas.

„Das Konzept kann wirtschaftlich durchaus funktionieren“, sagt der Branchenexperte Thomas Pintzke von der Beratungsfirma rmc medien consult. „Das Angebot in den großen Städten wird durchweg gut angenommen.“ Investitionen in der Branche seien ohnehin langfristig zu sehen: Sie amortisieren sich binnen zehn bis 15 Jahren. Die deutschen Kinos teilen seit Jahren einen Gesamtumsatz von etwa einer Milliarde Euro unter sich auf. Einen Verdrängungswettbewerb durch den Edel-Trend erwartet Branchenexperte Pintzke nicht.

Vielmehr gehe es darum, so der Experte, neue Kunden zu gewinnen: Fast 60 Prozent der Bundesbürger gehen überhaupt nicht ins Kino.

Kino in Zahlen 

129,7 Mio. Besucher hatten die Kinos in Deutschland 2013.

1,02 Mrd. Euro setzte die Branche 2013 um. Gut die Hälfte davon entfällt auf Multiplexe, Großkinos mit mehreren Sälen, wie sie etwa die Ketten Cinestar, Cinemaxx und UCI betreiben.

1159 Kino-Unternehmen mit 1637 Spielstätten gibt es bundesweit. Die meisten sind Einzelkämpfer. Eine Sonderrolle spielen Cineplexe: Sie treten nach außen gemeinsam auf, jeder Betreiber macht aber sein eigenes Programm.

781 146 Kinositzplätze verteilen sich auf 4610 Kinosäle.

Quelle: Filmförderungsanstalt

Kasseler Extra 

Kassels Cineplex Capitol hat einen luxuriösen Kinosaal mit 30 Plätzen auf einem Balkon in zweiter Ebene. „Wir möchten mit diesem Angebot nur den Standard erhöhen, kein Luxuskino anbieten“, sagt Wolfgang Schäfer, geschäftsführender Gesellschafter des Kinos. Im Saal gibt es eine Lichtsteuerung, die je nach Film angepasst wird. Die Sitze sind breiter und haben einen Tisch. Im Saal werden Livekonzerte und Opern gezeigt. Service am Platz sei geplant , „aber nur vor dem Start des Films“, sagt Schäfer.

Von Barbara Will

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