Vierstufiges Modell

Fragen und Antworten zum Werra-Plan des Landes Hessen und K+S

Kassel/Wiesbaden. Der Kasseler Kali- und Steinsalzkonzern K+S soll gemäß einer Abmachung mit dem Land Hessen die umstrittene Einleitung von Salzabwässern in Werra und Weser reduzieren. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.

? Was sagt K+S zu der Abmachung mit dem Land Hessen?

! „Wir haben die Grundlage für einen Maßnahmenplan geschaffen, der die Entsorgungsfragen der nordhessischen Kali-Standorte ein für alle Mal beantworten soll. Vor diesem Hintergrund sind wir bereit, die erheblichen zusätzlichen Aufwendungen, die eine enorme wirtschaftliche Herausforderung für uns sind, auf uns zu nehmen“, wird K+S-Chef Norbert Steiner in einer Mitteilung zitiert. „Heute ist ein guter Tag für unsere Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und die vielen mit K+S verbundenen Arbeitsplätze in der Werra-Region: Das Land Hessen und K+S haben sich auf einen Rahmen verständigt, der den Kalibergbau langfristig und unabhängig von politischen Konstellationen ermöglichen soll.“

? Warum würde die Werra-Wasserqualität nicht besser - selbst wenn K+S alle Abwässer aus den Kalifabriken und von den Halden stoppen könnte?

! Laut Wiesbadener Umweltministerium verhindern diffuse Einträge aus dem Kalibergbau den guten ökologischen Zustand für große Teile der Werra noch auf lange Zeit. Diffuse Einträge - das sind ungeregelte Zuflüsse von Salzabwasserlauge direkt in den Fluss. Und zwar jener Lauge, die seit knapp 100 Jahren in tiefe poröse Gesteinsschichten verpresst wird und längst in großen Teilen zurückkommt - irgendwo in die Werra und nicht in eine Pipeline zu kriegen. Auch aus den Halden kommen solche ungeregelten Zuflüsse.

? Was soll die Oberweserpipeline? Das Gutachten, das die Nordseepipeline als zu teuer aus dem Rennen nahm, nannte doch auch für die Kurzvariante Ausschlussgründe, oder?

Lesen Sie auch:

- Umweltministerin Hinz verteidigt Werra-Plan: „Eine realisierbare Lösung“

- Kaliabwasser im Fluss: Land und K+S stellen neuen Werraplan vor

! Ja, aber nur wenn die volle Abwasserflut durchgerauscht wäre. Nun soll einerseits im Kalirevier weiter in die Werra eingeleitet werden. Andererseits auch in die Oberweser - aber nur das, was an der Werra ab 2021 nicht mehr versenkt werden darf. So aufgeteilt, gibt es angeblich kein Problem mit der Gewässerqualität, keine Verschlechterung hinterm Ende des Oberweserrohrs, wie sie die EU verbietet. Man spricht jetzt von zwei Millionen Kubikmetern Abwasser in der Oberweserpipeline pro Jahr - deutlich weniger als in den alten Planungen. Auch das Speicherbecken vor dem Einleitepunkt soll so von drei Millionen Kubikmetern Stapelraum auf 750.000 Kubikmeter schrumpfen.

? Was heißt eigentlich Süßwasserqualität?

Die sieht der Plan von Land und K+S 2075 mit 800 mg/l Chlorid, 70 mg/l Kalium und 90 mg/l Magnesium am Pegel Gerstungen erreicht. Der Blick auf Richtwerte der Flussgebietsgemeinschaft Weser zeigt, wie das einzuordnen ist: Die sehen den guten ökologischen Zustand für Chlorid bei 300 mg/l oder tiefer. Dr. Hans Brinckmann, Leiter des runden Tisches und Verfechter der Nordseepipeline, meint, der neue Plan bringe „bis zum Ende der Kaliproduktion insbesondere für Kalium und Magnesium keine substanzielle Verbesserung der Gewässerqualität“. Von Süßwasserqualität könne keine Rede sein.

? Wäre die Einleitung von Kalisalzabwasser 2075 dann beendet?

! Nein, die K+S-Fabriken produzieren nach bisheriger Planung wegen erschöpfter Lagerstätten nach 2060 zwar nichts mehr. Die Salzabfallberge, wie etwa der Monte Kali bei Heringen, bleiben aber noch Hunderte von Jahren. 60 Prozent der Plateaus und Hänge sollen bis dahin zwar abgedeckt sein, um Auswaschung von Abwasser mit dem Regen zu verhindern. Es bleiben aber aus heutiger Sicht trotzdem 1,5 Mio. Kubikmeter jährlich aus den Halden, die entsorgt werden müssen. Der Vier-Stufen-Plan: „Diese werden lokal in die Werra eingeleitet.“

Von Wolfgang Riek

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.