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9-Euro-Ticket: Wie es nach dem Ende weitergehen könnte

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Von: Lucas Maier

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9-Euro-Ticket: Zukunftsfähig oder einmal Projekt?
9-Euro-Ticket: Zukunftsfähig oder einmal Projekt? (Symbolbild) © Boris Roessler/dpa

Um die Bevölkerung in Zeiten hoher Preise zu entlasten, hat die Bundesregierung das 9-Euro-Ticket eingeführt. Wie läuft das Projekt bisher und hat es Zukunft?

Berlin – Nach der Einführung des 9-Euro-Tickets ist jetzt fast die Halbzeit erreicht. Das vergünstigte Ticket für Bus und Bahn ist für die Monate Juni, Juli und August geplant. Zeit, ein Résumé zu ziehen und einen Blick in die Zukunft zu wagen.

„Ein riesengroßer Erfolg“ sei das 9-Euro-Ticket, wie die Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang zuletzt laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte. Doch es sind bei weitem nicht alle so zuversichtlich. Branchenkreise verweisen immer wieder auf die milliardenschweren Einnahmen, die den Unternehmen mit dem 9-Euro-Ticket entgehen. Doch wie kommt die Entlastungsmaßnahme eigentlich an?

Tausende Fahrgäste mit 9-Euro-Ticket: So läuft das Projekt in der Realität

Jede Woche werden rund 6000 Fahrgäste vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in Kooperation mit der Deutschen Bahn befragt. Mit dabei sind auch Fragen rund um das 9-Euro-Ticket. Die Einführung des vergünstigten Tickets sorgt dafür, dass der Nahverkehr von deutlich mehr Menschen genutzt wird, wie die Umfrage zeigt.

Rund 20 Prozent der Befragten gaben an, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zuvor so gut wie nie genutzt zu haben, das teilte der VDV am Montag (11. Juli) laut dpa mit. Im Juni hätten über 30 Millionen Menschen auf das 9-Euro-Ticket zurückgegriffen, wie der VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff mitteilte. „Dieser gemeinsame Erfolg aus Politik und Branche erhöht jedoch auch den Druck mit Blick auf die Zeit danach – sowohl, was die Preise, vor allem aber was die Leistungskosten angeht“, heißt es vom VDV weiter.

Maßnahme9-Euro-Ticket
EinführungJuni 2022
Ende des ProjektesEnde August 2022

Kosten und Zukunft: Niedersachsens Ministerpräsident sieht keine Zukunft für das 9-Euro-Ticket

Doch wie wird es nach dem 9-Euro-Ticket weiter gehen? „Wir werden als Länder nicht in der Lage sein, das 9-Euro-Ticket einfach fortzusetzen, wenn der Bund das Angebot nicht mit viel Geld verstetigt“, sagte hierzu Stephan Weil, SPD-Ministerpräsident aus Niedersachsen. Weil sieht daher aktuell keine Zukunft für das 9-Euro-Ticket.

Mehr Geld vom Bund fordert auch der Nahverkehrsverbund Nah.SH in Schleswig-Holstein. Auch wenn der Chef des Verbandes, Arne Beck, Verständnis dafür hat, dass das 9-Euro-Ticket bei vielen Fahrgästen gut ankommt, fordert er mehr Geld für einen Angebotsausbau. Das 9-Euro-Ticket habe die Schwachstellen nochmals deutlich gemacht, wo Strecken ausgebaut werden müssten oder es häufig zu Ausfällen komme. Als Ticket für die Zukunft schlägt Beck ein einfaches System vor, bei welchem sich, anders als beim 9-Euro-Ticket, der Preis an der Länge der gefahrenen Strecke orientiert.

Zukunft des 9-Euro-Ticket: Ein niedriger Preis nütze nichts ohne Anbindung

Auch in Niedersachsen wird sich für einen Ausbau ausgesprochen. „Niedrige Preise sind schön und gut, sie helfen aber nicht, wenn der Bus nur morgens und abends kommt“, betonte Weil. Im Bundestag wurde am Freitag (8. Juli) über einen Antrag zur Weiterführung des 9-Euro-Ticket debattiert. Der Antrag aus den Reihen der Linken fordert eine Weiterführung des 9-Euro-Tickets bis Ende des Jahres.

Ab dem kommenden Jahr, soll es dann ein 365 Euro Ticket geben, so der Vorschlag der Linken. Ein solches Ticket, was umgerechnet 1 Euro pro Tag kosten würde, fordert die Partei bereits seit mehreren Jahren. Schüler, Auszubildende und Hartz-IV-Empfänger sollen laut dem Vorschlag der Partei den ÖPNV kostenlos nutzen können, wie der Veröffentlichung auf der Website des Bundestages zu entnehmen ist. Bei einer Forderung des Antrags sind sich hier CDU und Linke einig: Es braucht eine Ausdehnung des Nahverkehrs im ländlichen Raum.  

9-Euro-Ticket: Zwischen Marketing-Gag und Zukunftsvision

Auf seiner Website bezeichnet der Bundestagsabgeordnete der CDU, Michael Donth, das 9-Euro-Ticket als Marketing-Gag. Die Ampel-Koalition würde damit sogar „die Funktionsfähigkeit des ÖPNV in Deutschland“ gefährden, heißt es weiter. Auf dem Land würden billige Tarife nichts nutzen, wenn dort keine Anbindung besteht, sagte Donth in der ARD.

Der Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) spricht beim 9-Euro-Ticket von einem „Erfolgsprojekt“, das den ÖPNV nachhaltig stärken wird. Auch wenn Wissing findet, dass uns das 9-Euro-Ticket in „eine wirklich schöne Situation“ gebracht hat, kann das 9-Euro-Ticket von seiner Warte aus nicht ohne weiteres auf Dauer bestehen bleiben. Die Zeit des 9-Euro-Tickets müsse genaustens evaluiert werden, um daraus die richtigen Schlüsse für die Zukunft ziehen zu können. „Ziel sei es, zu einer dauerhaften Rückkehr zu hohen Fahrgastzahlen zu kommen“, positionierte sich Wissing. Hierfür brauche es auch Strukturveränderungen beim ÖPNV.

Wie es nach dem Ende des 9-Euro-Tickets weiter gehen wird, steht derzeit also noch in den Sternen. Über eines scheinen sich aber alle einig zu sein, es muss nachgebessert werden im ÖPNV. Bei den Verbrauchern ist das Ticket ein voller Erfolg. Ob das zeitnah passieren wird und wie es nach der 9-Euro-Verkaufsschlager an den Ticketschaltern weitergeht, bleibt also abzuwarten. Ein bundesweites Klima-Ticket steht bereits im Raum. (Lucas Maier)

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