Mutter-Kind-Beziehung nicht käuflich

Neurobiologe: Entscheidendes passiert im Mutterleib

Gerald Hüther

"Eine Mutter-Kind-Beziehung ist nicht käuflich“, sagt der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther. Er warnt vor einer Leihmutterschaft.

Grundlegende Entwicklungen der Bindung zwischen Mutter und Kind fänden nämlich im Mutterleib statt. 

Vieles schon vor der Geburt

Schon bevor ein Kind zur Welt kommt, hat es seine biologische Mutter in ihrer ganzen Vielfalt kennengelernt: Ihren Duft, was sie gerne isst, welche Musik sie hört, ob sie gerne singt und sich bewegt. Das alles habe die Natur so eingerichtet, damit Kinder nach der Geburt eine hohe Affinität für ihre eigene Mutter haben. Auch der Organismus des sich noch entwickelnden Kindes werde stark geprägt von der Befindlichkeit und dem Stoffwechsel der leiblichen Mutter. „Hat sie zum Beispiel Diabetes und isst während der Schwangerschaft viele Kohlehydrate, dann kann das Kind mit Diabetes zur Welt kommen.“ So spielt auch die Befindlichkeit der Mutter in der Schwangerschaft eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Kindes.

Gerald Hüther

Wenn die Mutter in einer Leihmutterschaft zur Dienstleisterin gemacht werde, wirke sich das direkt auf das Kind aus. „Wenn ein Mensch das Gefühl hat, von anderen benutzt zu werden, dann werden im Gehirn ähnliche Netzwerke aktiviert, wie wenn man einem Menschen körperliche Schmerzen zufügt.“ Psychische Beschwerden und Veränderungen im hormonellen Haushalt sind das Ergebnis.

Hüther sieht nur eine Möglichkeit, wie eine Frau das Wunschkind eines Paares austragen kann: „Wenn man die Mutter nicht als Dienstleister betrachtet, sondern als Freundin, die einem hilft, dieses Kind zu bekommen.

Damit wird die Leihmutter mit in das familiäre Gefüge aufgenommen und die Bindung des Kindes kann auf die Wunschmutter übertragen werden.“ So, wie es auch in einer gewöhnlichen Beziehung mit dem Vater passiert. „Das wäre dann eine aus Liebe gemachte Vereinbarung“, verdeutlicht Hüther. Für wen so etwas nicht infrage kommt, der sollte „verstehen, dass man im Leben nicht alles haben kann.“

Leihmutterschaft in Deutschland

Die rechtlichen Regelungen der Leihmutterschaft sind weltweit unterschiedlich. In Deutschland ist sie seit 1990 durch das Embryonenschutzgesetz verboten. Dennoch bieten Agenturen im Ausland auch deutschen Wunscheltern eine Vermittlung von Leihmüttern an.

Nach deutschem Recht begründet die genetische Abstammung eines Kindes aus einer Leihmutterschaft kein rechtliches Abstammungsverhältnis. Mutter ist rechtlich immer jene Frau, die das Kind ausgetragen hat. Sollte der Wunschvater seine Samenzellen gespendet haben, kann er im Einzelfall aber seine Vaterschaft anerkennen lassen. Mit einem Reisepass kann das Kind dann nach Deutschland einreisen. Damit bekäme das Baby die Staatsangehörigkeit des Vaters. Aber bis dahin gilt: Das Kind einer verheirateten Leihmutter ist das Kind von ihr und ihrem Ehemann.

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