Weniger Stalking-Fälle in Deutschland

Nicht nur Frauen sind Opfer von Stalking: Zunehmend weibliche Tatverdächtige

Will Stalking-Opfer schützen: Minister Heiko Maas. Foto: dpa

Mainz/Stuttgart. Am Dienstag  ist Tag der Kriminalitätsopfer - auch Betroffenen von Stalking wird gedacht. Stalking ist seit 2008 in der Kriminalitätsstatistik aufgeführt. Die Zahlen der Taten sind rückläufig, das Täterbild ändert sich: Frauen sind nicht nur Opfer.

Stalking ist Psychoterror, der Betroffenen das Leben zur Hölle machen kann. Die Täter lauern ihren Opfern auf oder belästigen sie mit Anrufen, SMS und E-Mails. Gescheiterte Beziehungen sind oft der Grund für das Nachstellen. Aus welchen unterschiedlichen Gründen Männer und Frauen zu Stalkern werden und wie sich Opfer wehren können: Fragen und Antworten.

Wer sind die Opfer von Stalking? 

Nach Angaben des Weißen Rings - Deutschlands größter Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer - wird jeder Zehnte mindestens einmal im Leben gestalkt. Die Täter sind in mehr als 80 Prozent der Fälle männlich, ihre Opfer fast immer Frauen, sagt die Bundesgeschäftsführerin des Weißen Rings, Bianca Biwer.

Warum sind die wenigsten Opfer männlich? 

Der Weiße Ring vermutet, dass die Dunkelziffern bei männlichen Opfern sehr hoch ist, dass Männer seltener ein Nachstellen melden als Frauen. Laut der Kriminaldirektion Mainz werden aber auch immer mehr Fälle bekannt, in denen Frauen tatverdächtig sind.

Wann werden Männer, wann Frauen am häufigsten zum Stalker? 

Männer würden oftmals ein Stalker-Verhalten entwickeln, wenn sie nach einer gescheiterten Beziehung eine Frau zurückhaben wollen, so die Erfahrung von Ines Rose von der Kriminaldirektion Mainz. Bei Stalkerinnen seien dagegen eher Rachegedanken ausschlaggebend für ein Nachstellen.

Gibt es einen aktuellen Trend beim Stalking? 

Täter nutzen häufiger die digitale Welt, um ihren Opfern nachzustellen. Der Trend geht zur E-Mail oder zur Whats-App-Nachricht anstatt zum Anruf. Ein weiterer Trend: Die erfassten Fälle sind von bundesweit mehr als 29 000 im Jahr 2008 auf weniger als 22 000 im Jahr 2014 gesunken.

Wie sollen sich Opfer von Stalkern verhalten? 

Ziel ist es, dass der Stalker das Interesse verliert. Das könnte schon durch ein klares Nein und konsequentes Ignorieren passieren. Opfer sollten keine SMS beantworten, Anrufe wegdrücken und sich auf keinerlei Kontakt einlassen.

Wann sollte die Polizei alarmiert werden? 

Sobald man sich stark eingeschränkt oder bedroht fühle, zum Beispiel durch Anrufe, Mails, Besuche und Geschenke, sagt Andreas Mayer, Leiter der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart. „Man sollte möglichst viel Material sammeln und alles ganz genau dokumentieren mit Datum und Uhrzeit“, sagt Mayer. Die Polizei nehme erst einmal Kontakt zum Beschuldigten auf. „Das veranlasst manche schon zum Aufhören.“

Welche rechtlichen Möglichkeiten gibt es? 

Es gibt zivilrechtlich die Möglichkeit, eine einstweilige Anordnung beim Amtsgericht zu bewirken. Dort wird dann zum Beispiel beschlossen, dass sich der Stalker dem Opfer nicht mehr als auf eine bestimmte Entfernung nähern darf. „Wenn er dagegen verstößt, ist die Strafe oft wesentlich härter als in einem normalen Verfahren“, sagt Kriminalpräventionsleiter Mayer.

Wie viele Fälle von Stalking werden in Deutschland aufgeklärt? 

Von insgesamt 21 857 erfassten Tatbeständen im Jahr 2014 konnten 89 Prozent aufgeklärt werden. Eine Kriminalstatistik für das Jahr 2015 liegt noch nicht vor. (mit dpa)

Von Sophia Weimer, Ines Klose und Jil Frangenberg

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